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    Indem Euphemie die Worte sprach, durchdrang mich die tiefste Verachtung
ihrer armseligen Prahlerei, und im bitteren Hohn lachte ich ihr gellend entgegen,
dass sie erbebte und die Totenblässe der Angst und des tiefen Grauens ihr Gesicht
überflog. - »Wahnsinnige,« rief ich, »die du glaubst über das Leben zu
herrschen, die du glaubst, mit seinen Erscheinungen zu spielen, habe acht, dass
dies Spielzeug nicht in deiner Hand zur schneidenden Waffe wird, die dich tötet!
Wisse, Elende, dass ich, den du in deinem ohnmächtigen Wahn zu beherrschen
glaubst, dich wie das Verhängnis selbst in meiner Macht festgekettet halte, dein
frevelhaftes Spiel ist nur das krampfhafte Winden des gefesselten Raubtiers im
Käfig! - Wisse, Elende, dass dein Buhle zerschmettert in jenem Abgrunde liegt und
dass du statt seiner den Geist der Rache selbst umarmtest! - Geh und verzweifle!«
    Euphemie wankte: im konvulsivischen Erbeben war sie im Begriff, zu Boden zu
sinken, ich fasste sie und drückte sie durch die Tapetentüre den Gang hinab. -
Der Gedanke stieg in mir darf, sie zu töten, ich unterließ es, ohne mich dessen
bewusst zu sein, denn im ersten Augenblick, als ich die Tapetentüre schloss,
glaubte ich die Tat vollbracht zu haben! - Ich hörte einen durchdringenden
Schrei und Türen zuschlagen.
    Jetzt hatte ich mich selbst auf einen Standpunkt gestellt, der mich dem
gewöhnlichen menschlichen Tun ganz entrückte; jetzt musste Schlag auf Schlag
folgen, und, mich selbst als den bösen Geist der Rache verkündend, musste ich das
Ungeheuere vollbringen. - Euphemiens Untergang war beschlossen, und der
glühendste Hass sollte, mit der höchsten Inbrunst der Liebe sich vermählend, mir
den Genuss gewähren, der nun noch dem übermenschlichen, mir inwohnenden Geiste
würdig. - In dem Augenblick, dass Euphemie untergegangen, sollte Aurelie mein
werden.
    Ich erstaunte über Euphemiens innere Kraft, die es ihr möglich machte, den
andern Tag unbefangen und heiter zu scheinen. Sie sprach selbst darüber, dass sie
vorige Nacht in eine Art Somnambulismus geraten und dann heftig an Krämpfen
gelitten, der Baron schien sehr teilnehmend, Reinholds Blicke waren zweifelhaft
und misstrauisch. Aurelie blieb auf ihrem Zimmer, und je weniger es mir gelang,
sie zu sehen, desto rasender tobte die Wut in meinem Innern. Euphemie lud mich
ein, auf bekanntem Wege in ihr Zimmer zu schleichen, wenn alles im Schloss
ruhig geworden. - Mit Entzücken vernahm ich das, denn der Augenblick der
Erfüllung ihres bösen Verhängnisses war gekommen. - Ein kleines spitzes Messer,
das ich schon von Jugend auf bei mir trug, und mit dem ich geschickt in Holz zu
schneiden wusste, verbarg ich in meiner Kutte, und so zum Morde entschlossen,
ging ich
