 und kleben in deinem Barte!« -
    Er verschwand, die Türe heftig zuschlagend, und ließ mich allein, knirschend
vor Wut über mich selbst, der ich mich hatte hinreißen lassen von der Gewalt des
Moments, so dass nun der Verrat mir Verderben drohte. Niemand ließ sich sehen,
ich hatte Zeit genug, mich ganz zu ermannen, und der mir inwohnende Geist gab
mir bald die Anschläge ein, jeder üblen Folge des bösen Beginnens auszuweichen.
    Sobald es tunlich war, eilte ich zu Euphemien, und mit keckem Übermut
erzählte ich ihr die ganze Begebenheit mit Aurelien. Euphemie schien die Sache
nicht so leicht zu nehmen, als ich es gewünscht hatte, und es war mir
begreiflich, dass, ihrer gerühmten Geistesstärke, ihrer hohen Ansicht der Dinge
unerachtet, wohl kleinliche Eifersucht in ihr wohnen, sie aber überdem noch
befürchten könne, dass Aurelie über mich klagen, so der Nimbus meiner Heiligkeit
verlöschen und unser Geheimnis in Gefahr geraten werde; aus einer mir selbst
unerklärlichen Scheu verschwieg ich Hermogens Hinzutreten und seine
entsetzlichen, mich durchbohrenden Worte.
    Euphemie hatte einige Minuten geschwiegen und schien, mich seltsamlich
anstarrend, in tiefes Nachdenken versunken. -
    »Solltest du nicht, Viktorin,« sprach sie endlich, »erraten, welche
herrliche Gedanken, meines Geistes würdig, mich durchströmen? - Aber du kannst
es nicht, doch rüttle frisch die Schwingen, um dem kühnen Fluge zu folgen, den
ich zu beginnen bereit bin. Dass du, der du mit voller Herrschaft über alle
Erscheinungen des Lebens schweben solltest, nicht neben einem leidlich schönen
Mädchen knien kannst, ohne sie zu umarmen und zu küssen, nimmt mich wunder, so
wenig ich dir das Verlangen verarge, das in dir aufstieg. So wie ich Aurelien
kenne, wird sie voller Scham über die Begebenheit schweigen und sich höchstens
nur unter irgend einem Vorwande deinem zu leidenschaftlichen Unterrichte
entziehen. Ich befürchte daher nicht im mindesten die verdrießlichen Folgen, die
dein Leichtsinn, deine ungezähmte Begierde hätte herbeiführen können. - Ich
hasse sie nicht, diese Aurelie, aber ihre Anspruchlosigkeit, ihr stilles
Frommtun, hinter dem sich ein unleidlicher Stolz versteckt, ärgert mich. Nie
habe ich, unerachtet ich es nicht verschmähte, mit ihr zu spielen, ihr Zutrauen
gewinnen können, sie blieb scheu und verschlossen. Diese Abgeneigteit, sich mir
zu schmiegen, ja diese stolze Art, mir auszuweichen, erregt in mir die
widrigsten Gefühle. - Es ist ein sublimer Gedanke, die Blume, die auf den Prunk
ihrer glänzenden Farben so stolz tut, gebrochen und dahin welken zu sehen! - Ich
gönne es dir, diesen sublimen Gedanken auszuführen, und es soll nicht an Mitteln
fehlen, den Zweck leicht und sicher zu erreichen. - Auf Hermogens Haupt
