 zwei Schwestern
begleitet, herein. - Unbeschreiblich ist das Gefühl, das mich durchdrang, als
ich die wiedersah, die meinen Vater so innig liebte, und unerachtet er durch
Freveltaten ein Bündnis, das ihm das höchste Erdenglück erwerben musste,
gewaltsam zerriss, doch die Neigung, die ihr Glück zerstört hatte, auf den Sohn
übertrug. Zur Tugend, zur Frömmigkeit wollte sie diesen Sohn aufziehen, aber dem
Vater gleich, häufte er Frevel auf Frevel und vernichtete so jede Hoffnung der
frommen Pflegemutter, die in der Tugend des Sohnes Trost für des sündigen Vaters
Verderbnis finden wollte. - Niedergesenkten Hauptes, den Blick zur Erde
gerichtet, hörte ich die kurze Rede an, worin die Äbtissin nochmals der
versammelten Geistlichkeit Aureliens Eintritt in das Kloster anzeigte und sie
aufforderte, eifrig zu beten in dem entscheidenden Augenblick des Gelübdes,
damit der Erbfeind nicht Macht haben möge, sinneverwirrendes Spiel zu treiben
zur Qual der frommen Jungfrau. »Schwer,« sprach die Äbtissin, »schwer waren die
Prüfungen, die die Jungfrau zu überstehen hatte. Der Feind wollte sie verlocken
zum Bösen, und alles, was die List der Hölle vermag, wandte er an, sie zu
betören, dass sie, ohne Böses zu ahnen, sündige und dann, aus dem Traum
erwachend, untergehe in Schmach und Verzweiflung. Doch die ewige Macht
beschützte das Himmelskind, und mag denn der Feind auch noch heute es versuchen,
ihr verderblich zu nahen, ihr Sieg über ihn wird desto glorreicher sein. Betet -
betet, meine Brüder, nicht darum, dass die Christusbraut nicht wanke, denn fest
und standhaft ist ihr dem Himmlischen ganz zugewandter Sinn, sondern dass kein
irdisches Unheil die fromme Handlung unterbreche. - Eine Bangigkeit hat sich
meines Gemüts bemächtigt, der ich nicht zu widerstehen vermag!« -
    Es war klar, dass die Äbtissin mich - mich allein den Teufel der Versuchung
nannte, dass sie meine Ankunft mit der Einkleidung Aureliens in Bezug, dass sie
vielleicht in mir die Absicht irgend einer Greueltat voraussetzte. Das Gefühl
der Wahrheit meiner Reue, meiner Busse, der Überzeugung, dass mein Sinn geändert
worden, richtete mich empor. Die Äbtissin würdigte mich nicht eines Blickes;
tief im Innersten gekränkt, regte sich in mir jener bittere, verhöhnende Hass,
wie ich ihn sonst in der Residenz bei dem Anblick der Fürstin gefühlt, und statt
dass ich, ehe die Äbtissin jene Worte sprach, mich hätte vor ihr niederwerfen
mögen in den Staub, wollte ich keck und kühn vor sie hintreten und sprechen:
»Warst du denn immer solch ein überirdisches Weib, dass die Lust der Erde dir
nicht aufging? ... Als du meinen Vater sahst, verwahrtest du denn immer dich so,
dass der Gedanke der
