
Zerknirschung begonnen, Euch entülle!« - So fing ich an und erzählte nun, ohne
Namen zu nennen und so gedrängt als möglich, meinen ganzen Lebenslauf.
Aufmerksamer und aufmerksamer wurde der Papst. Er setzte sich in den Lehnstuhl
und stützte den Kopf in die Hand; er sah zur Erde nieder, dann fuhr er plötzlich
in die Höhe; die Hände übereinander geschlagen und mit dem rechten Fuß
ausschreitend, als wolle er auf mich zutreten, starrte er mich an mit glühenden
Augen. Als ich geendet, setzte er sich aufs neue. »Eure Geschichte, Mönch
Medardus,« fing er an, »ist die verwunderlichste, die ich jemals vernommen. -
Glaubt Ihr an die offenbare, sichtliche Einwirkung einer bösen Macht, die die
Kirche Teufel nennt?« - Ich wollte antworten, der Papst fuhr fort: »Glaubt Ihr,
dass der Wein, den Ihr aus der Reliquienkammer stahlt und austranket, Euch zu den
Freveln trieb, die Ihr beginget?« - »Wie ein von giftigen Dünsten geschwängertes
Wasser gab er Kraft dem bösen Keim, der in mir ruhte, dass er fortzuwuchern
vermochte!« - Als ich dies erwidert, schwieg der Papst einige Augenblicke, dann
fuhr er mit ernstem, in sich gekehrtem Blick fort: »Wie, wenn die Natur die
Regel des körperlichen Organism auch im geistigen befolgte, dass gleicher Keim
nur Gleiches zu gebären vermag? ... Wenn Neigung und Wollen, - wie die Kraft,
die im Kern verschlossen, des hervorschiessenden Baumes Blätter wieder grün färbt
- sich fortpflanzte von Vätern zu Vätern, alle Willkür aufhebend? ... Es gibt
Familien von Mördern, von Räubern! ... Das wäre die Erbsünde, des frevelhaften
Geschlechts ewiger, durch kein Sühnopfer vertilgbarer Fluch!« - »Muss der vom
Sünder Geborne wieder sündigen vermöge des vererbten Organism ..., dann gibt es
keine Sünde«, so unterbrach ich den Papst. »Doch!« sprach er, »der ewige Geist
schuf einen Riesen, der jenes blinde Tier, das in uns wütet, zu bändigen und in
Fesseln zu schlagen vermag. Bewusstsein heißt dieser Riese, aus dessen Kampf mit
dem Tier sich die Spontaneität erzeugt. Des Riesen Sieg ist die Tugend, der Sieg
des Tieres die Sünde.« Der Papst schwieg einige Augenblicke, dann heiterte sein
Blick sich auf, und er sprach mit sanfter Stimme: »Glaubt Ihr, Mönch Medardus,
dass es für den Stattalter des Herrn schicklich sei, mit Euch über Tugend und
Sünde zu vernünfteln?« - »Ihr habt, hochheiliger Herr,« erwiderte ich, »Euren
Diener gewürdigt, Eure tiefe Ansicht des menschlichen Seins zu vernehmen, und
wohl mag es Euch ziemen
