 Ernst, er fasste
meine Hände, und es war, als halte ein Heiliger, von himmlischem Mitleid
erfüllt, den Verlornen in den Lüften über dem Flammenpfuhl fest, in den er
hinabstürzen wollte. »Du bist krank, mein Bruder!« sprach der Prior, »wir wollen
dich in das Kloster bringen, da magst du dich erholen.« Ich küsste seine Hände,
sein Kleid, ich konnte nicht sprechen, nur tiefe angstvolle Seufzer verrieten
den fürchterlichen, zerrissenen Zustand meiner Seele. - Man führte mich in das
Refektorium, auf einen Wink des Priors entfernten sich die Mönche, ich blieb mit
ihm allein. »Du scheinst, mein Bruder,« fing er an, »von schwerer Sünde
belastet, denn nur die tiefste, trostloseste Reue über eine entsetzliche Tat
kann sich so gebärden. Doch groß ist die Langmut des Herrn, stark und kräftig
ist die Fürsprache der Heiligen, fasse Vertrauen - du sollst mir beichten, und
es wird dir, wenn du büssest, Trost der Kirche werden!« In dem Augenblick schien
es mir, als sei der Prior jener alte Pilger aus der heiligen Linde, und nur der
sei das einzige Wesen auf der ganzen weiten Erde, dem ich mein Leben voller
Sünde und Frevel offenbaren müsse. Noch war ich keines Wortes mächtig, ich warf
mich vor dem Greise nieder in den Staub. »Ich gehe in die Kapelle des Klosters,«
sprach er mit feierlichem Ton und schritt von dannen. - Ich war gefasst - ich
eilte ihm nach, er saß im Beichtstuhl, und ich tat augenblicklich, wozu mich der
Geist unwiderstehlich trieb; ich beichtete alles - alles! - Schrecklich war die
Busse, die mir der Prior auflegte. Verstossen von der Kirche, wie ein Aussätziger
verbannt aus den Versammlungen der Brüder, lag ich in den Totengewölben des
Klosters, mein Leben kärglich fristend durch unschmackhafte, in Wasser gekochte
Kräuter, mich geisselnd und peinigend mit Marterinstrumenten, die die
sinnreichste Grausamkeit erfunden, und meine Stimme erhebend nur zur eigenen
Anklage, zum zerknirschten Gebet um Rettung aus der Hölle, deren Flammen schon
in mir loderten. Aber wenn das Blut aus hundert Wunden rann, wenn der Schmerz in
hundert giftigen Skorpionstichen brannte und dann endlich die Natur erlag, bis
der Schlaf sie wie ein ohnmächtiges Kind schützend mit seinen Armen umfing, dann
stiegen feindliche Traumbilder empor, die mir neue Todesmarter bereiteten. -
Mein ganzes Leben gestaltete sich auf entsetzliche Weise. Ich sah Euphemien, wie
sie in üppiger Schönheit mir nahte, aber laut schrie ich auf: »Was willst du von
mir, Verruchte! Nein, die Hölle hat keinen Teil an mir.« Da schlug sie ihr
Gewand auseinander, und die Schauer der Verdammnis ergriffen
