 weniger Fremde, wissen etwas von dem Dasein
dieser Reliquie. Ich kann die Kiste nicht ohne inneren Schauer anrühren, es ist,
als sei darin ein böser Zauber verschlossen, der, gelänge es ihm, den Bann, der
ihn umschließt und wirkungslos macht, zu zersprengen, Verderben und heillosen
Untergang jedem bereiten könnte, den er ereilt. - Das, was darinnen enthalten,
stammt unmittelbar von dem Widersacher her, aus jener Zeit, als er noch
sichtlich gegen das Heil der Menschen zu kämpfen vermochte.« - Ich sah den
Bruder Cyrillus im höchsten Erstaunen an; ohne mir Zeit zu lassen, etwas zu
erwidern, fuhr er fort: »Ich will mich, lieber Bruder Medardus, gänzlich
enthalten, in dieser höchst mystischen Sache nur irgend eine Meinung zu äußern
oder wohl gar diese - jene - Hypothese aufzutischen, die mir durch den Kopf
gefahren, sondern lieber getreulich dir das erzählen, was die über jene Reliquie
vorhandenen Dokumente davon sagen. - Du findest diese Dokumente in jenem Schrank
und kannst sie selbst nachlesen. - Dir ist das Leben des heiligen Antonius zur
G'nüge bekannt, du weißt, dass er, um sich von allem Irdischen zu entfernen, um
seine Seele ganz dem Göttlichen zuzuwenden, in die Wüste zog und da sein Leben
den strengsten Buss- und Andachtsübungen weihte. Der Widersacher verfolgte ihn
und trat ihm oft sichtlich in den Weg, um ihn in seinen frommen Betrachtungen zu
stören. So kam es denn, dass der heilige Antonius einmal in der Abenddämmerung
eine finstere Gestalt wahrnahm, die auf ihn zuschritt. In der Nähe erblickte er
zu seinem Erstaunen, dass aus den Löchern des zerrissenen Mantels, den die
Gestalt trug, Flaschenhälse hervorguckten. Es war der Widersacher, der in diesem
seltsamen Aufzuge ihn höhnisch anlächelte und frug, ob er nicht von den
Elixieren, die er in den Flaschen bei sich trüge, zu kosten begehre. Der heilige
Antonius, den diese Zumutung nicht einmal verdrießen konnte, weil der
Widersacher, ohnmächtig und kraftlos geworden, nicht mehr imstande war, sich auf
irgend einen Kampf einzulassen und sich daher auf höhnende Reden beschränken
musste, frug ihn, warum er denn so viele Flaschen und auf solche besondere Weise
bei sich trüge. Da antwortete der Widersacher: Siehe, wenn mir ein Mensch
begegnet, so schaut er mich verwundert an und kann es nicht lassen, nach meinen
Getränken zu fragen und zu kosten aus Lüsternheit. Unter so vielen Elixieren
findet er ja wohl eins, was ihm recht mundet, und er säuft die ganze Flasche aus
und wird trunken und ergibt sich mir und meinem Reiche. - So weit steht das in
allen Legenden; nach dem besonderen Dokument, das wir über diese Vision des
heiligen Antonius besitzen
