 nicht zu widerstehen vermöget, aber ich
Waffengeübter stelle mich mit meinem Schlachtschwert vor euch hin, und was mein
Spiel, was meine Freude ist, rettet euer Leben, euer Hab und Gut. - Doch immer
mehr schwindet die rohe Gewalt von der Erde, immer mehr treibt und schafft der
Geist, und immer mehr enthüllt sich seine alles überwältigende Kraft. Bald wird
man gewahr, dass eine starke Faust, ein Harnisch, ein mächtig geschwungenes
Schwert nicht hinreichen, das zu besiegen, was der Geist will; selbst Krieg und
Waffenübung unterwerfen sich dem geistigen Prinzip der Zeit. Jeder wird immer
mehr und mehr auf sich selbst gestellt, aus seinem innern geistigen Vermögen muss
er das schöpfen, womit er, gibt der Staat ihm auch irgend einen blendenden
äußern Glanz, sich der Welt geltend machen muss. Auf das entgegengesetzte Prinzip
stützt sich der aus dem Rittertum hervorgehende Ahnenstolz, der nur in dem Satz
seinen Grund findet: Meine Voreltern waren Helden, also bin ich dito ein Held.
Je höher das hinaufgeht, desto besser; denn kann man das leicht absehen, wo
einem Großpapa der Heldensinn kommen und ihm der Adel verliehen worden, so traut
man dem, wie allem Wunderbaren, das zu nahe liegt, nicht recht. Alles bezieht
sich wieder auf Heldenmut und körperliche Kraft. Starke, robuste Eltern haben
wenigstens in der Regel eben dergleichen Kinder, und ebenso vererbt sich
kriegerischer Sinn und Mut. Die Ritterkaste rein zu erhalten, war daher wohl
Erfordernis jener alten Ritterzeit, und kein geringes Verdienst für ein
altstämmiges Fräulein, einen Junker zu gebären, zu dem die arme bürgerliche Welt
flehte: Bitte, friss uns nicht, sondern schütze uns vor andern Junkern; mit dem
geistigen Vermögen ist es nicht so. Sehr weise Väter erzielen oft dumme
Söhnchen, und es möchte, eben weil die Zeit dem physischen Rittertum das
psychische untergeschoben hat, rücksichts des Beweises angeerbten Adels
ängstlicher sein, von Leibniz abzustammen als von Amadis von Gallien oder sonst
einem uralten Ritter der Tafelrunde. In der einmal bestimmten Richtung schreitet
der Geist der Zeit vorwärts, und die Lage des ahnenstolzen Adels verschlimmert
sich merklich; daher denn auch wohl jenes taktlose, aus Anerkennung des
Verdienstes und widerlicher Herablassung gemischte Benehmen gegen der Welt und
dem Staat hoch geltende Bürgerliche das Erzeugnis eines dunkeln, verzagten
Gefühls sein mag, in dem sie ahnen, dass vor den Augen der Weisen der veraltete
Tand längst verjährter Zeit abfällt und die lächerliche Blöße sich ihnen frei
darstellt.
    Dank sei es dem Himmel, viele Adlige, Männer und Frauen, erkennen den Geist
der Zeit und schwingen sich auf im herrlichen Fluge zu der Lebenshöhe, die ihnen
Wissenschaft und Kunst darbieten; diese werden die wahren Geisterbanner jenes
Unholds sein.«
    Des Leibarztes Gespräch hatte
