 Als Cyrillus den
Mönch erblickt, fährt er entsetzt zurück. Heilige Mutter Gottes! Medardus,
unglückseliger Medardus! So ruft Cyrillus, und in dem Augenblick beleben sich
die starren Augen des Mönchs. Er steht auf und fällt mit einem dumpfen Schrei
kraftlos zu Boden. - Cyrillus mit den übrigen, die bei dem Ereignis zugegen
waren, geht sofort zum Präsidenten des Kriminalgerichts und zeigt alles an. Der
Richter, dem die Untersuchung wider Sie übertragen, begibt sich mit Cyrillus
nach dem Irrenhause; man findet den Mönch sehr matt, aber frei von allem
Wahnsinn. Er gesteht ein, dass er der Mönch Medardus aus dem Kapuzinerkloster in
B. sei. Cyrillus versicherte seinerseits, dass Ihre unglaubliche Ähnlichkeit mit
Medardus ihn getäuscht habe. Nun bemerke er wohl, wie Herr Leonard sich in
Sprache, Blick, Gang und Stellung sehr merklich von dem Mönch Medardus, den er
nun vor sich sehe, unterscheide. Man entdeckte auch das bedeutende
Kreuzeszeichen an der linken Seite des Halses, von dem in Ihrem Prozess so viel
Aufhebens gemacht worden ist. Nun wird der Mönch über die Begebenheiten aus dem
Schloss des Barons von F. befragt. - Ich bin ein abscheulicher, verruchter
Verbrecher, sagt er mit matter, kaum vernehmbarer Stimme, ich bereue tief, was
ich getan. - Ach, ich ließ mich um mein Selbst, um meine unsterbliche Seele
betrügen! ... Man habe Mitleiden! ... man lasse mir Zeit... alles... alles will
ich gestehen! - Der Fürst, unterrichtet, befiehlt sofort den Prozess wider Sie
aufzuheben und Sie der Haft zu entlassen. Das ist die Geschichte Ihrer
Befreiung. - Der Mönch ist nach dem Kriminalgefängnis gebracht worden.«
    »Und hat alles gestanden? Hat er Euphemien, Hermogen ermordet? wie ist es
mit dem Grafen Viktorin?«...
    »Soviel wie ich weiß, fängt der eigentliche Kriminalprozess wider den Mönch
erst heute an. Was aber den Grafen Viktorin betrifft, so scheint es, als wenn
nun einmal alles, was nur irgend mit jenen Ereignissen an unserm Hofe in
Verbindung steht, dunkel und unbegreiflich bleiben müsse.«
    »Wie die Ereignisse auf dem Schloss des Barons von F. aber mit jener
Katastrophe an Ihrem Hofe sich verbinden sollen, sehe ich in der Tat nicht ein.«
    »Eigentlich meinte ich auch mehr die spielenden Personen als die
Begebenheit.«
    »Ich verstehe Sie nicht.«
    »Erinnern Sie sich genau meiner Erzählung jener Katastrophe, die dem Prinzen
den Tod brachte?«
    »Allerdings.«
    »Ist es Ihnen dabei nicht völlig klar worden, dass Francesko verbrecherisch
die Italienerin liebte? dass er es war, der vor dem Prinzen in die Brautkammer
schlich
