
herrliches Spiel,« fuhr er fort, »in seiner hohen Einfachheit das wahre Spiel
für geistreiche Männer. Man tritt gleichsam aus sich selbst heraus, oder besser,
man stellt sich auf einen Standpunkt, von dem man die sonderbaren
Verschlingungen und Verknüpfungen, die die geheime Macht, welche wir Zufall
nennen, mit unsichtbarem Faden spinnt, zu erblicken imstande ist. Gewinn und
Verlust sind die beiden Angeln, auf denen sich die geheimnisvolle Maschine
bewegt, die wir angestossen und die nun der ihr einwohnende Geist nach Willkür
forttreibt. - Das Spiel müssen Sie lernen, ich will selbst Ihr Lehrmeister
sein.« - Ich versicherte, bis jetzt nicht viel Lust zu einem Spiel in mir zu
spüren, das, wie mir oft versichert worden, höchst gefährlich und verderblich
sein solle. - Der Fürst lächelte und fuhr, mich mit seinen lebhaften klaren
Augen scharf anblickend, fort: »Ei, das sind kindische Seelen, die das
behaupten, aber am Ende halten Sie mich wohl für einen Spieler, der Sie ins Garn
locken will. - Ich bin der Fürst; gefällt es Ihnen hier in der Residenz, so
bleiben Sie hier und besuchen Sie meinen Zirkel, in dem wir manchmal Pharo
spielen, ohne dass ich zugebe, dass sich irgend jemand durch das Spiel derangiere,
unerachtet das Spiel bedeutend sein muss, um zu interessieren, denn der Zufall
ist träge, sobald ihm nur Unbedeutendes dargeboten wird.« Schon im Begriff, mich
zu verlassen, kehrte der Fürst sich noch zu mir und frug: »Mit wem habe ich aber
gesprochen?« - Ich erwiderte, dass ich Leonard heiße und als Gelehrter
privatisiere, ich sei übrigens keinesweges von Adel und dürfe vielleicht daher
von der mir angebotenen Gnade, im Hofzirkel zu erscheinen, keinen Gebrauch
machen. »Was Adel, was Adel,« rief der Fürst heftig, »Sie sind, wie ich mich
überzeugt habe, ein sehr unterrichteter, geistreicher Mann. - Die Wissenschaft
adelt Sie und macht Sie fähig, in meiner Umgebung zu erscheinen. Adieu, Herr
Leonard, auf Wiedersehen!« - So war denn mein Wunsch früher und leichter, als
ich es mir gedacht hatte, erfüllt. Zum erstenmal in meinem Leben sollte ich an
einem Hofe erscheinen, ja, in gewisser Art selbst am Hofe leben, und mir gingen
all die abenteuerlichen Geschichten von den Kabalen, Ränken, Intrigen der Höfe,
wie sie sinnreiche Roman- und Komödienschreiber aushecken, durch den Kopf. Nach
Aussage dieser Leute musste der Fürst von Bösewichtern aller Art umgeben und
verblendet, insonderheit aber der Hofmarschall ein ahnenstolzer abgeschmackter
Pinsel, der erste Minister ein ränkevoller habsüchtiger Bösewicht, die
Kammerjunker müssen aber lockere Menschen und Mädchenverführer sein. - Jedes
Gesicht ist kunstmässig
