 und Waffengenossen auch jetzt nicht aufgesucht
hatte, sich nicht von ihnen finden ließ, so lag es wohl darin, dass der Spanier
wie der Deutsche niemals unaufgefordert in des Andern Weg tritt, und beide es
verschmäheten die französische Sprache in diesem Augenblick zur Vermittlerin zu
machen. Denn es ist natürlich und dem Menschen eigen, sich von dem mit
Widerwillen abzuwenden, was man los zu werden einmal beschlossen hat. Es fiel
daher jetzt jede bisherige Scheidewand vor Alonzo nieder. Hatte ihn früher die
frische, fröhliche Weise der tapfern Preußen, ihre naive Wissbegier und
aufmerkende Teilnahme eben so wie die abhaltende Höflichkeit ihres Benehmens
erfreut, so gelangte er hier durch die Fülle frei und kräftig gebildeter
Künstlernatur, den Scharfsinn und die gemütvollste Gewandtheit unversehens zum
Einverständnis deutscher Nationalität.
    Wer sich eine Zeitlang vor der Welt verschlossen und alles daraus abgewehrt
hat, was ihn ansprechen könnte, wird dem neu hineinfallenden Lebensstrahle um so
mehr Gewalt über sich gönnen müssen. Die wohltätige Wärme und Klarheit eines
hellen Gespräches treibt Blut und Sinn und Worte zu schnellerem Lauf, ein Funke
zündet den andern, es glühet von allen Seiten. Gedanken brennen zusammen, die
Flamme leuchtet weit über die gewohnten Gränzen hinaus.
    Alonzo fühlte sich immer freier und verständlicher, sein Gefühl immer
lebendiger umgetrieben, je leiser und sachter der junge Fremde ihm entgegentrat,
ohne ihn gleichwohl absichtlich suchen zu wollen. Beide gingen bald von der
Kunst zu dem Leben und der Gegenwart über, und in den Sälen, als der gemeinsamen
Heimat, auf und ab gehend, redeten sie ohne Zwang über den gemischten und
höchst wunderbaren Eindruck, den Paris unter den gegenwärtigen Zeitumständen auf
sie mache. Alonzo hütete seinen Hass zu sorgfältig, um ihn in Worten zersplittern
zu wollen, er äußerte sich nur im allgemeinen, dass er den ganzen Streit nicht
für geschlichtet halte, so lange noch ein Einziger in dem eigenen Bewusstsein
gefesselt bleibe. Er könne sich nun einmal mit der Freiheit nicht beruhigen, die
ihm Andre erkämpften. Teuflische List habe ihn um die Mitwirkung betrogen und
dass er das nicht rächen dürfe, hetze ihm eben das Blut durch alle Adern. Ehe
gebe es auch keine Ruhe für ihn, bis dies heiße Blut auf eine oder die andere
Art sich gekühlt habe. Der Deutsche war bei weitem milder. Er konnte manches
Tadelnswerte nicht in Abrede sein, gleichwohl ging er, als etwas
Ausserwesentlichem, nur leicht darüber hin. Überall betrachtete er in dem Ort
nicht sowohl die Hauptstadt Frankreichs, als vielmehr den Brenn- und
Scheidepunkt ungeheurer Reibungen, die sich hier sichtend, befriedigt und
vollständig in die ruhige Natur ihrer Bestimmung zurücktreten müssten. Die
wechselnden Berührungen so verschiedenartiger Elemente, fuhr er fort, können
schon an sich nicht kalt lassen, zudem spiegeln sich die großen Ereignisse
