 einem scharfen Blick, glauben
Sie Blansche zu kennen? Was man so eigentlich unter kennen versteht, entgegnete
jener, möchte ich nicht sagen, es könnte sein, dass sie ganz anders zu handeln
durch sich selbst bestimmt würde, als ich mir's vorgestellt hätte, doch sollte
mich das nicht irre machen, ich würde sogleich wissen, dass es so sein musste,
dies zusammenklingende gleichartige Wesen kann sich selbst nicht untreu werden.
    Sie waren unter diesem Gespräch auf eine Brücke gekommen, ihre Wege schieden
sich. Louis war einigermaßen blöde und beschämt, so viel geredet, sich so
umständlich geäußert zu haben. Sein gutmütiges Lächeln, die Art seiner schnell
in sich zurücktretenden Verbeugung war auf gewisse Weise eine Entschuldigung
dieser allzugrossen Freimütigkeit. Alonzo wusste nicht recht, was er von ihm
denken sollte. Er ging still vor sich hin und sagte sich selbst: was der da so
trocken und schwerfällig hinspricht, ist das Größte, was ein Mensch von dem
Andern sagen kann, solch' Vertrauen ist göttlicher Art, es müsste den ganzen
Menschen begeistern, er bleibt gelassen, er meinte es so nicht, er ist gelehrt,
er zwängt alles, was er sieht, in ein System und classifizirt Blansche wie
Augentrost und Rosmarin. Was will er von dir wissen, schöne Blansche! dein Herz
ist der Schlüssel zu deinem lieblichen Selbst, das aber soll mir keine Natur
oder Kunstverwandschaft in aller Welt streitig machen!
 
                              Achtzehntes Kapitel
Je mehr die Glut eigener Leidenschaft in Alonzo anwuchs, je fester bauete er
sein Glück und seine Hoffnungen auf Blansches Liebe. Er überzeugte sich ganz
innig und unbezweifelt, dass die gleiche Qual, wie sehr sie diese auch zu bergen
wisse, an dem armen Herzen nage, und sie endlich über jeden Widerstand hinaus in
seine Arme treiben werde. Alles kam für ihn darauf an, Blansche geheim und
ungestört zu sprechen. Er war so gewiss wie von seinem Dasein, dass sie der Gewalt
seiner Worte nicht widerstehen werde. Er hatte es ihrer Angst, den bleichen,
bebenden Lippen, dem feuchten Glanz der schönen Augen ja angesehen, wie all' ihr
Leben zum Herzen dringe, wie sie dieses nur unter trüben Schmerzen zügle. Was
konnte er wollen, dass nicht auch ihr geheimer, schüchterner Wunsch war! sie
sollte das in seinen Armen fühlen, ihm unter leisen, heimlichen Schauern
bekennen. Er rang und spähete nur nach Mittel sie zu sehen. In der Messe durfte
er nicht hoffen sie zu finden. Frau von Saint Alban und dem Herzog mochte er in
dieser Stimmung nicht begegnen, gleichwohl verschmähete sein Stolz wie die Natur
seiner Liebe jeden Schritt, den Blansche's Würde zu nahe trat. Unter wechselnden
Stürmen und Beschwichtigungen der Seele verwarf er jetzt, was
