 Gedanken Dasein verliehen, soll das Leben zögernd zurückesteh'n?
    Ich weiß nicht, weshalb mich vor Ihnen bangt. Dürfen Sie tadeln, was Sie
selbst taten? Philipp, es gibt Winke und Stimmen in der Natur, die wir nicht
überhören dürfen. Umsonst trifft nicht Eines zum Andern, das Schicksal will
etwas, es zwingt uns, denn über nichts spottet der Himmel so als über
menschliche Absicht. Sie haben es ja erfahren, was wundern Sie sich über Andre!
Sein Sie nicht weiser in Worten als Gefühlen. Gefühle allein sind wahr, alles
andre ist todtes, angelerntes Gesetz. Was wissen wir auch von Gesetzen! Jedweder
trägt einen eignen Schlüssel zu diesem Hieroglyphen in sich. Das ist die
göttliche Freiheit. Ich folge ihr, Philipp. Leben Sie wohl!«
    Er siegelte mit einer Hast, als wäre ihm um die Antwort zu tun gewesen, und
ermahnte seine Leute zu schneller Besorgung. Philipp war noch nicht allzufern
bei seinem Regimente. Alonzo hätte ihn gern hier gehabt und auch wieder nicht.
Ihm war doch etwas leichter, nachdem er geschrieben hatte, nachdem er denken
konnte, es werde ein menschliches Wesen fühlen, wie ihm zu Mute sei. Erhält ein
gefürchtetes Übel gleich Riesengrösse und Gewissheit durch das Wort, so mildert
Klage und Mitteilung das schon vorhandene gekannte Leiden. Alonzo kam sich
gestärkt und fest durch den Schluss seines Briefes vor. Eines war seinem Willen
doch auch schon wirklich gelungen, er hatte Blansche gesehen und gesprochen. Sie
liebt ihn, über sie war er beruhigt. Alles andre musste ja auch kommen, wenn er
es nur ernstlich wollte.
    So durch sich selbst gehoben und zuversichtlich geworden, ging er noch spät,
um Luft zu schöpfen nach den Elisaischen Feldern. Schon von fern sah er die
kleine silberne Muschel und die vier Apfelschimmel des Herzogs, sie hielt an der
Barriere, niemand war darin, ein paar müßige Knaben standen auf dem
Lackaienbrett und schaukelten an den Riemen. Alonzo beeilte seine Schritte, doch
ehe er heran kommen konnte, winkte ein Bediente, der Wagen bog in eine Allee,
Frau von Saint Alban und nach ihr Blansche an der Hand ihres jungen Vetters,
Louis de Bocourt, stiegen hinein. Dieser stand noch am Schlage, und gab Blansche
einen Strauss wilder Kräuter und Blumen, die sie sehr sorgfältig zusammenfasste
und ihn damit grüßend beim Abfahren vertraulich winkte. Louis ging langsam nach
der Seite, wo Alonzo stand. Er bückte sich von Zeit zu Zeit nach kleinen
unscheinbaren Gräsern oder Pflanzen und beachtete sie genau in allen ihren
Fasern und Teilchen. Sein gutes, stilles Gesicht schien unter diesem Geschäft
heiterer, sein Auge heller und von einem Strahl ruhiger und sicher gestellter
Forschgier angenehm belebt. Er war jetzt dicht vor
