 ein blonder, hochgewachsener Brandenburger, sind nun wohl
nach grade auch alle gekommen, mit dem Vertrauen ist's meist aus und jedweder
bleibt gefasst und auf seiner Hut. Was schmeichelt man ihnen denn noch lange,
unterbrach ihn der Oestreicher, und lässt sie glauben, sie seien nicht besiegt.
Es hätte nicht viel gefehlt, wir massten die grünen Zweige verstecken, weil ihnen
das ehrenwerte Feldzeichen in die Augen schlug. Darf sich wohl Einer rein
heraus Sieger nennen, wir umgehen und umgehen das Wort und tun mit ihnen, wie
mit kranken Kindern, darüber werden sie vollends töricht und vorlaut. Ich
glaube, sagte der Brandenburger aufstehend, man macht es mit den Franzosen wie
mit den Besessenen, man scheuet und windet sich vor ihren krampfigen Zuckungen,
und lässt sie laufen. Ich habe nur eine Zeitlang das Wesen so mit angesehen, und
all' die Manövres und Kunststückchen vormachen lassen, es war mir spaßhaft
genug, dass sie mich zu imponiren glaubten, aber es nehme mir kein Mensch übel,
lange hält man das nicht aus, zuletzt wird man ganz müde und matt und geht ihnen
gern aus dem Wege.
    Ein feiner, schlanker Russe, der eine Zeitlang lächelnd in den Streit hinein
gesehen hatte, sagte jetzt in etwas gepresstem weichem französisch, wir hätten
doch alle samt unrecht, die Nation zu hassen, da wir ihrer Sprache jede
gesellige Mitteilung und selbst den jetzigen, kameradschaftlichen Verkehr
verdanken. Auch können wir es uns nicht wohl ableugnen, dass, die
augenblicklichen Missverständnisse abgerechnet, Paris der Sitz aller urbanen
Gewandheit, des feinsten Gesellschaftswitzes und einer Kultur ist, wie wir sie
anderswo nur im matten Wiederscheine finden. Die Franzosen bleiben immer unsre
Vorbilder und wir streben vergebens sie zu erreichen. Gestehen wir es nur, wir
bleiben bei allem Stolz weit hinter ihnen zurück. Solch Streben, fiel der Preuße
ein, verdient solchen Lohn. Gottlob! bei uns ist die alte Komödie ausgetrommelt.
Es bringt sie kein Mensch mehr aufs Tapet. Wir fangen denn doch nach grade an
uns zu ehren. Im Selbstgefühl liegt die Selbstständigkeit, darauf soll der
deutsche Ritter wieder seine Burgen bauen, und denn wirds auch mit der
vielgepriesenen Welt- und Gesellschaftssprache ein Ende mit Schrecken nehmen.
Ich sehe gar nicht ein, weshalb sie nicht zu entbehren sei. Es kommt nur darauf
an, dass notwendiger Ausgleichungen im Leben wegen, das klassisch, poetische
Italiänisch Hofsprache werde. Welch ganz anderer Geist würde in die Gesellschaft
übergehen. Und gleichwohl, fiel der Russe ein, bestechen die Franzosen uns heut
wie immer, uns rejetzt und lockt die Meisterschaft dessen, was wir kennen, ohne
es zu können. Mich nicht, fiel ein alter Landwehroffizier ein, mich wahrhaftig
nicht. Ich wollte das
