 man alle des gleichen Namens durch einen hervorklingenden
Grundton wiedererkenne. Oftmals, fuhr er fort, ist die Ähnlichkeit nicht so
durchgehend, sie springt über, wie von Grosseltern auf Enkelkinder, anderer Seits
wird sie auch wohl durch Vermischungen gänzlich unterbrochen, und tritt erst
nach mehreren Stufenfolgen gewissermaassen fremd als etwas Neues auf, ob wir
gleich nur das Alte darin erkennen sollten. So ist auch die Individualität der
Volksstämme allein zu begreifen.
    Mir fällt bei dem, was sie zuvor über Geschlechtsvermischungen sagten, ein,
entgegnete Marie, dass die Reinerhaltung des Adels, die Ahnenproben, und alles
was dahin gehört, wohl auf der Vorliebe für jene Eigentümlichkeit beruhen. Und
war der alte, einfache Grund wahrhaft gut, so mögen wir uns auch wohl hüten,
etwas Fremdes darauf zu verpflanzen.
    Man muss hierbei, nahm jener das Wort, viel auf die Kraft der Naturen
rechnen. Es sichtet sich alles nach und nach, was im Kampf der Zeiten
übereinander geworfen wurde. Und fast immer finden wir in jeder Familie irgend
eine versöhnende Erscheinung, welche, das Alte und Neue zusammenfassend, den
übergetretenen Lebensstrom, auf eine oder die andere Weise, in seine Schranken
zurückführt. Wie oft, dass ein Kind in Verwirrung und Schmerz geboren, bewusstlos
Friede und Freude über sein Haus mit auf die Welt bringt.
    Er dachte hierbei an Marien, welche ihm immer wie ein versöhnender Engel
erschienen war. Sie aber deutete es anders, und blickte ernst und nachdenklich
vor sich hin, dann reichte sie dem Arzt unter flüchtigem Erröten die Hand, und
ging, da der Tag bereits angebrochen und Alexis fest eingeschlafen war, in ihr
Zimmer zurück.
    Nichts glich der wehmütigen Teilnahme, der innigen Zärtlichkeit, mit
welcher die Baronin ihrem unglücklichen Kinde, wie sie Marien nannte, entgegen
kam. Alles was sie selbst jemals erfahren und gelitten hatte, alle trübe Tage
und Stunden, wanden sich wieder aus dem alten Abgrund der Zeit herauf. So vieles
hatte sie eingebüßt, so vieles heldenmütig entbehrt, nichts Großes mehr vom
Schicksal verlangt, in das Unabwendbare hatte sie sich schnell gefunden, aber
Familienfrieden, behagliches Teilen der letzten Lebensfreuden mit den teuren
Verwandten, darauf hatte sie gerechnet, das, dachte sie, sei nicht zu viel
gefodert, und nun war alles zerrissen, was sich so natürlich, so von selbst,
zusammengefügt. Sie war von dem letztem Schlage wie zerschmettert.
    Doch konnte sie nicht lange in einem Zustande verharren der sie zu allem
tauglichen unfähig, zu jeder wohltätigen Erheiterung Anderer ungeschickt
machte. Sie gewann Kraft, sich aus einer Kette abspannender Erinnerungen und
trüber Weltansichten herauszureissen. Das alte Gleichgewicht war bald wieder in
ihr hergestellt. Sie fasste die Gegenwart klar auf, und arbeitete einer bessern
Zukunft dadurch entgegen,
