 er doch den Schlüssel zu sich, und träumte
sich im Besitz vom Steine der Weisen, ohne diesen jemals zu finden, denn wenn er
auch Tage und Nächte und Monate und Jahre über das Buch sann, und forschte, es
blieb ihm verschlossen, und keine Spur konnte ihm die eigentliche Sprache
entdecken.
    Er begnügte sich demnach, mit den darin befindlichen Zeichen Versuche
anzustellen, und, indem er sie so oder so legte und stellte, brachte er
Resultate heraus, die ihm zwar nicht gnügten, dennoch aber eine eigene Magie
zusammenbaueten, in welcher er sich selbst als Herrn und Meister feierte.
 
                                Drittes Kapitel
Auf diese Weise war dem Marquis, unter stetem Forschen und angestrengter Arbeit,
eine Reihe von Jahren in einer Gattung von Tätigkeit verflossen, welche zwar
keinen sichtbaren Einfluss auf das Gestalten und den Fortgang der Dinge gewann,
ihm jedoch große Ereignisse vorzubereiten schien. Was überall geschehen könne?
was er besonders erringen werde? darüber war er wohl nicht völlig auf dem
Reinen. Nur so viel schien ihm gewiss: Die Natur habe in jeder ihrer
Offenbarungen eine Stimme, und ob nun gleich diese der sinnlichen Warnehmung
meist unverständlich bliebe, so müsse die entbundene Seele doch notwendig in
einen Rapport mit der geheimnisvollen Innenwelt zu setzen und in Einverständnis
mit ihr zu bringen sein. Das große Phänomen des Somnambülismus und der
Klairvoyance schwebte ihm hierbei vor Augen. Was dort dem Übergewicht einer
animalischen Kraft über die andere möglich sei, das, glaubte er, dürfe der
Einwirkung höherer Kräfte um so weniger entstehn. Wie diese nun zu beschwören,
wie sie von den Banden der Leiblichkeit frei zu machen seien, das war die große
Angelegenheit seines Lebens, an die er Gesundheit, frische und freudige
Sinnenlust, den Schmuck und die heitere Klarheit des Lebens, ja alles in allem,
des Daseins ewig bewegliches Element, der Liebe und Freundschaft belebenden
Verkehr, setzte.
    Während er sich indes in die finsteren Schachten langsam selbst vergrub, und
der Qualm und Dampf. nebelnder Ahndungen sein Herz vertrocknete und den Geist
wie ein flackerndes Licht unstät hin und her trieb, rückte ihm das wirkliche
Leben immer näher und näher, und schien die gefristete Stundenzahl mit Wucher
von ihm einzufodern.
    Sein abstruses, oft verzücktes, Wesen hatte ihm längst den Ruf stillen
Wahnsinnes gegeben. Man war ihm mit einer Scheu begegnet, welche, bei aller
Verachtung vor übersinnlicher Träumerei, in unsern Tagen, nicht selten, im
Gemisch von Geringschätzung und augenblicklich aufflammender Ahndung eines
Etwas, das die bunte Decke des Lebens verbirgt, den Schein demütiger Furcht
gewinnt. Ein Mensch wie der Marquis zieht unwillkürlich einen Kreis um sich
her, den das freudige, wie das freche, Leben flieht.
    Deshalb konnte die Revolution losbrechen, und sich von den Stufen des
