, es kann noch nicht
alles Platz in uns finden. Wir müssen es erst auseinanderpacken, und jedes an
seine Stelle legen, dann kommt der vernünftige Entschluss von selbst. Gute Nacht
also, Ihr Kinder, sagte sie, und winkte Allen, sie zu verlassen.
    Der Herzog ging mit dem Marquis, bei welchem er sich einquartirte, die
Andern mussten folgen. Antonie allein blieb ganz still auf der Stelle stehen, wo
der Herzog gesessen hatte, schien von dem Gebote der Tante auch nichts gehört zu
haben, und nur als diese es wiederholte, ging sie schweigend in ihr Zimmer.
 
                                Neuntes Kapitel
Die Baronin bedurfte wirklich mehr als je der Ruhe und innern Sammlung. Das
Leben war ihr aufs neue so aufgerüttelt, alles trübe ineinandergewirrt, und
grade jetzt, wo die Verhältnisse anfingen, sich zu setzen. Sie wäre so gern an
Ort und Stelle geblieben! Das Herumziehn in fremden Ländern, so spät im Jahre
hinein, hatte viel Unerfreuliches. Und was war am Ende davon zu erwarten? Sie
mochte die Gedanken hinwerfen, wohin sie wollte, sie mochte den Lebensplan so
oder so ordnen, es blieb alles unbegründet, alles durch Umstände bedingt, die
ich nicht vorher bestimmen ließ. Unter dem Vielen Hin- und Herschieben und
Stellen der Lebensverhältnisse ward es ihr indes klar, dass über diese das Leben
ganz allein zu bestimmen habe, dass man sie müsse kommen lassen, ohne sie sich
selbst zuschneiden zu wollen, und dass der Mensch nichts anders solle und könne,
als sich in jeder Lage würdig behaupten.
    Am Ende, sagte sie sich, ist daran auch nichts zu meistern! es wächst alles
aus tiefem, unbekanntem Grunde herauf, wir mögen die Richtungen lenken, wie wir
wollen, das Leben schlägt immer seinen eigenen Weg ein. Und hier, fuhr sie fort,
gibt uns die Menschliche Klugheit auch nicht einmal Augenblickliche Zwecke zu
berücksichtigen. Das Notwendige liegt vor uns, wir müssen fort von hier. Wohin
wir gehen? kann uns im Grunde gleich sein. Ein jeder Ort kann der rechte, ein
jeder der unrechte sein. Wir haben keine Ursach, einen vor dem andern zu wählen.
Das Zweifelhafte hierbei muss uns, an uns selbst zweifeln, und höherer Führung
vertrauen lehren.
    Es ward ihr ganz leicht ums Herz, als sie sich das so anschaulich bestimmt
ausgesprochen hatte; um so mehr, da sie nicht anders glauben konnte, als
Frankreich werde dennoch das endliche Ziel aller dieser Irrfahrten sein. Und ob
sich auch dort ihrer Seele kein vertraut gebliebenes Bild zeigen wollte, so war
es doch der heimatliche Boden, welcher sich, wie glückliche Inseln, aus den
unruhigen Wellen der Ereignisse heraufhob.
    Sie ruhte hier aus, ließ die Familie des Marquis ihre
