 der Bühne aus die Seele der Geliebten,
wie die der Freunde, heftig anfassten:
»Ha, wiss um meine Wut, um alle meine Schwächen!«
Und dann wieder:
»Mein Leben ist ein Kampf, durch meine Mäßigkeit
Hab ich Natur dem Joch des strengen Sinns geweiht!«
Ja, ich fühl es dem unbezwinglichen Herzen an, dass es Heut wie in jenem
Sinnverwirrenden Winter zu Paris die Abgründe der Zeit wie der Erde sprengen,
der Natur ihr hohes Geheimnis und die Zügel der Welterrschaft entreißen, sich
aber zum Gott und Tyrannen der Welt hinaufmeistern möchte!
    Sie sagte die letzten Worte unter heftigem Weinen, denn sie dachte an die
blühende Schwester, die ein Opfer jener vermessenen Versuche ward! Der Marquis
hatte sich in einen Stuhl geworfen, und mehr durch die Frühlingslichter jener
Zeit, als durch ihre Vorwürfe, getroffen, ließ er ungehindert einzelne Tränen
über sein Gesicht hinrollen. Die Baronin trat zu ihm, legte die Hand auf seine
Schulter, und sagte gutmütig, ich will nicht rechten mit Ihnen, auch nicht
tadeln, was die Natur und das Leben einmal so gemacht, einmal so gewollt haben!
aber fragen muss ich Sie doch, ob Sie es Heut besser wie damals in mir dulden
werden, wenn ich über manches anders denke, anders empfinde, wie Sie? Ich bin in
der Hauptsache dieselbe geblieben. Sie haben das so eben noch gesehen. Ich muss
sagen, wie ich es empfinde, berechnen kann ich nicht, solchen Kopf hatte ich
nie. Und wenn mich nun meine Welterfahrung, mein rasches Hineinempfinden in das
Leben, andere Dinge sehen lässt, als Ihnen Ihr mystischer Feuerblick zeigt,
werden sich die Kinder da in dem Streite behaupten können? Was von allem wird
ihnen wahr, notwendig, und bestehend erscheinen?
    Der Marquis schwieg einen Augenblick. Meine Freundin, hub er nach einer
Weile an, ich bin unruhig in mir selbst geworden. Ich glaubte mit dem Aussenleben
fertig zu sein. Ich durfte das lange Zeit glauben, jetzt scheint die allgemein
menschliche Wirksamkeit die gefristete Stundenzahl einzufodern, ich weiß nicht,
wie ich mich darin finden werde, ich weiß nicht, wie ich mich überhaupt finden
soll! Der Blick für das Maß und die Verhältnisse des ganzen Aussenwerkes ist mir
verloren gegangen. Man hat den Boden unter mir verschoben, deshalb stehe ich zu
dem neuen Leben in schiefer Richtung, und alles darin stört und verletzt mich.
Urteilen Sie nun, wie überraschend, wie erwünscht es mir ist, Sie zu finden,
der ich getrost den verwickelten Faden in die Hand geben kann, die Töchter daran
fortzuleiten, ohne selbst meine eigenste Welt zu verlassen, die ich niemals
verlassen kann, in der weder Sie, noch irgend einer mich
