 das Getöse mehr und mehr fernabbrauste,
und sich dann gänzlich verlor
    Niemand als der Vater hatte Antonien in dem Augenblicke beobachtet, er
selbst war, wie von der gebietenden Stimme angezogen, vorgetreten, und als nun
alles ruhig war, standen sich Vater und Tochter nahe und reichten einander die
Hände, wie solche, die sich auf einem Wege begegnen, ohne zu wissen, wohin
dieser führt? -
    Ob nun gleich die nahe Gefahr vorüber war, so blieb es doch für jeden
ungeraten, sich sogleich hervorzuwagen, und das Kloster jetzt zu verlassen. Die
Unruhe auf den Heerstrassen zwang sie, die Nacht abzuwarten. Es ward ihnen auch
nicht schwer, die Zeit bis dahin mit vorbereitenden, der Gegenwart
zuvoreilenden, Gesprächen auszufüllen. Jedes war durch den letzten Überfall auf
eigene Weise in Nachdenken oder Sorgen versenkt. Marie sah ganz still und
schüchtern in sich hinein; auch der Marquis richtete seine Gedanken auf die
unsichere Zukunft. Antonie nur schien mit dem eben Erfahrenen beschäftigt. Es
ist fürchterlich, sagte sie, von Wesen bedroht zu werden, denen unser Auge
vielleicht nie begegnen wird! und wie man sonst wohl unterirdische Geister
scheut, so hatten wir das zu fürchten, was unsichtbar über uns sein Wesen trieb!
Über oder unter uns, sagte die Äbtissin, noch immer sehr erschüttert und
ungewiss über das Nächste, es ist ewig der Ring des Schicksals, aus dem wir nicht
heraus können! Ring des Schicksals! wiederholte Marie, ihr fiel dabei ein
wirklicher wahrhafter Ring ein, ihre kindisch-spielende Phantasie führte ihr
goldene Ringe und goldene Tage vor die Sinne, Gedanken rankten sich an Gedanken,
eine liebe, heitere Welt tat sich vor ihr auf, und sie dachte vergnügt, dass
dennoch eine Zeit kommen könne, welche ihr den Schmuck des Lebens zuführen
werde. Die Äbtissin hingegen fuhr in großer Bewegung fort; es ist gewiss, man
verliert den Mut zu handeln, ja zu denken, wenn man es steht, auf wie morschem
Grunde des Menschen Werke stehen! Bedurfte es mehr, als der Frechheit niederer
Rebellen, um das zu zerstören, was Jahrhunderte erzeugten! Was hat dieser
Zeitmoment nicht alles untergraben, was spurlos vernichtet! Und wie es einem
gesegneten, arg- und sorglosen Volke im Allgemeinen erging, so ergeht es täglich
jedem Einzelnen, ob auf Frankreichs oder Chinas Boden! und keinen, keinen gibt
es, der nicht das Spiel seiner Hoffnungen, ja seiner Vorsätze, ein ganzes Leben
hindurch wäre! Mit Schaudern betrat ich vor vielen Jahren diese Schwellen, und
nun mir die Tore geöffnet sind, was bietet mir die Welt anders, als die
bejammernswürdige Freiheit, meinen Wanderstab über die Gränzen meines
Vaterlandes hinaussetzen zu dürfen, ohne irgendwo eine Heimat, ohne ein Herz
