 für die Kunst,
wie für die Weiber, grub sein frühzeitiges Grab.
    Mehrere Jahre darauf starb auch der Fürst, ebenfalls in Margaretens Armen,
und von ihr bis zum letzten Augenblicke verpflegt.
    Sie weinte lange. Aber Franz5, Stephani's geliebtester Schüler, behauptete:
sie habe bei des Fürsten Tode nur Stephani's Tod zum zweitenmale gefühlt; auch
sei damals eine gänzliche Veränderung in ihrem Wesen sichtbar geworden.
    Doch blieb sie länger schön, als Sterbliche es bleiben, und brachte ihr
himmlisches Leben, mit dem Gebrauche aller Sinne, bis zum höchsten menschlichen
Alter.
    Nur von Einer Schwäche wurde dieses außerordentliche Alter begleitet. Sie
vermochte nicht mehr den Anblick verzerrter, noch weniger durch das Laster
entstellter Menschen zu ertragen, und verfiel, wiewohl eine Feindin aller
Pracht, beim Anblick des Schmutzes und der Unordnung in Schwermut.
    Man war daher gegen das Ende ihres Lebens bemüht, nur schöne Gegenstände um
sie zu versammeln, und die höchste Sauberkeit in ihrer Nähe zu erhalten. Sie
wurde sichtbar dadurch erheitert, und ihren Freunden, ohne Zweifel, mehrere
Jahre erhalten.
    Endlich fiel sie in einen anhaltenden, nur durch kurzes Erwachen
unterbrochenen Schlummer, und die Ärzte verkündigten ihr Ende.
    Nun wurde ihr Bett mit Kindern jedes Alters umringt, die sie entweder
selbst, oder deren Eltern sie dem Tode, dem Hasse, oder dem Elende entrissen
hatte.
    Sie erwachte noch einmal, erblickte die Kinder, und verschied mit einem
Lächeln, welches ihren himmlischen Zügen eingedrückt blieb.
    Ihr Grab liegt auf einem Hügel, und die Sage geht, dass Gemütskranke dort
geheilet werden. Ob die reine Bergluft hierzu beitrage - wag' ich nicht zu
entscheiden.
 
                                    Fußnoten
1 Es war Gretchen.
2 Gretchen.
3 Gretchen war eine Protestantin und in Deutschland geboren.
4 Es war nie ein eigentliches Kloster, sondern bestand, bis zu Ende der
Regierung Gustavs von Medizis, unter dem Namen einer wohltätigen Anstalt.
5 Er war es, der diese Papiere sammelte.
 
    
