 einmal angefangen, und wäre
ich nicht jetzt begierig, an das Ende zu kommen, nimmermehr hätt' ich mich damit
abgegeben. Etwas Schrecklicheres und Empörenderes, als schon auf dieser Erde
vorgefallen ist, kann sie sich gar nicht denken. Ärger, als reissende Tiere
haben Menschen gegen einander gewütet, und unter tausendmalen hat die Unschuld
neunhundertmal der Bosheit unterliegen müssen.
    Das Alles, sagen die gelehrten Leute, konnte, sobald der Mensch frei bleiben
sollte, nicht anders sein. Aber, herzliebste Mutter! sie sagen das nur so, um
sich etwas vorzumachen; bluten sie aber unter den Klauen eines Wütrichs, so
langen sie nicht mehr damit aus.
    Nein! nein! Gott ist gewiss nicht allmächtig! sonst hätt' er das Böse
gehindert. Es war, das sieht man tausendfältig bestätigt, eine Kraft, welche
sich ihm von Ewigkeit her widersetzte, und die er von Ewigkeit her bekämpfte.
Wie dieser Kampf endigen wird, ist, glaube sie mir, liebste Mutter! noch lange
nicht entschieden.
    Ach, wir blödsichtigen, in Leidenschaft und Irrtum taumelnden Kinder!
kennen vielleicht noch lange nicht die Sorgen unseres großen, liebevollen
Vaters. - Schaudern und Entsetzen würde uns vielleicht ergreifen, wenn sie uns
offenbar würden. Wohl mögen wir beten: dein Reich komme! erlöse uns von dem
Bösen! - Glaube sie mir, herzliebste Mutter! in diesen Worten unseres göttlichen
Lehrers liegt weit mehr, als wir denken; so wie in seiner Versicherung: ich
hätte euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
    Unzähligemale aber wiederholte er, dass Liebe und Reinigkeit des Herzens das
Einzige sei, was Not tue. Ach er wusste, dass das Eine zu dem Andern führe, und
dass das Reich des Bösen am sichersten dadurch zerstört werde.
    So glaube auch ich, liebste Mutter! dass die Macht Gottes durch jeden schönen
Gedanken, durch jede liebevolle Handlung der Menschen vermehrt werde, und dass,
wenn sie sich in Liebe und Tugend vereinigten, sein Reich kommen würde und
müsste.
    Aber, o Gott! wenn die Erde ganz dem Bösen hingegeben würde - sänke! sänke
mit allen denkenden und empfindenden Wesen, welche keinen geheiligten Willen,
keine Kraft hätten, sich über sie zu erheben! - sänke in die bodenlose Tiefe!
zerschellte, zerschmetterte, zerstiebe! - Oder wenn sie ganz zur Hölle würde!
Wahrheit und Gerechtigkeit verhöhnete Schatten - die göttliche Gestalt des
Menschen durch Laster bis zum Unkenntlichen verzerrt - das Siegel der ewigen
Verworfenheit ihm aufgedrückt - gebeugt zur Erde - kriechend wie ein Wurm - die
Ahnung der Unsterblichkeit, mit ihr sie selbst auf ewig verloren!!
    Bei diesem entsetzlichen Gedanken hörte ich ein durchdringendes Geschrei.
Ach ich hatte es selbst ausgestoßen
