 übt eine schöne Kunst, und so muss ihr Herz ewig geteilt bleiben.
    Und das deine?
    Ich bedarf zur Ausübung der meinigen der Schönheit außer mir. Sie aber
stellt sie durch sich selbst dar, und ist demnach unabhängiger von der Liebe,
wie von der Schönheit.
    Du aber scheinst jetzt eben so unabhängig von ihr, wie von ihrer Liebe zu
sein.
    Wenn das ist, mein Fürst! muss ich glauben, es sei ein Verbrechen? - Sie
sagten mir einst, ich werde ein höheres Ideal kennen lernen. Wenn ich es kennen
lernte, führte ich, oder das Schicksal es herbei? - Wenn ich, wie Sie und andere
behaupten, die Schönheit reiner und erhabener, als bisher geschah, darstellte,
so musste ich sie auch tiefer empfinden. Strafen Sie mich dann, dass ich das bin,
wozu die Natur mich bildete.
    Warlich! sie hat dich und uns Alle tiefer durchschaut, als wir glaubten.
Meine Härte gegen sie gereuet mich bitter. Aber sie so gänzlich zu verlassen -
dazu wär' ich nicht fähig.
    Gott ist mein Zeuge! dass ich sie weder verlassen habe, noch verlassen
wollte. Sie ist und bleibt mir unaussprechlich teuer, und so gewiss ich lebe,
hat Niemand ihren hohen Wert inniger, als ich, gewürdigt. Aber das, was mich in
diesen Tagen beschäftigte, musste meine ganze Seele einnehmen. Und Sie selbst,
mein Fürst! frage ich: konnt' es auf andere Weise werden, was es ist?
    Die Unglückliche!
    Wahrlich! nicht unglücklicher als ich selbst.
    Du! du? unglücklich?
    Bin ich es nicht, so ist es die Kunst allein, die mich schützt. Was kann ich
außer ihr hoffen! -
    Wie, wenn ich nicht wäre?
    Ich bin mir bewusst, diesen Gedanken niemals gedacht zu haben, und es
schmerzt mich, dass ihn irgend Jemand denkt. Aus mir wird er nie kommen.
    Natürlich wär' er gleichwohl.
    Es ist manches natürlich, was mir verächtlich und meiner durchaus unwürdig
scheinen würde. Ich gelobte Ihnen einst ewige Entsagung. Kann ich mehr tun, als
dieses Gelübde erneuern?
    O, ich weiß! ich weiß - rief er mit flammendem Auge - woher sie dir kommt,
diese gewaltige Kraft! Du bietest aus, wovon du gewiss bist, dass es dir nie
genommen werden könne. Aber wie? wenn du irrtest? - Wenn ich sie dahin setzte,
wohin sie gehört? Wenn ich mich über elende Vorurteile erhöbe? - Denk' einmal
diesen Gedanken ganz aus, und dann sag' mir, was du empfindest.
    Mit diesen Worten verließ er mich, und der übrige Teil des Tages war für
mich und die Kunst verloren.
 
                            Gretchen an
