 dich mit in die Gruft. Bei Gott ich fordre Rechenschaft von ihr!
Ich kann und darf es nicht länger mit ansehen. Du gehörst nicht allein dir! du
gehörst uns, der Kunst, der Welt! Melde ihr, dass ich komme, dass sie sich bereit
halte, entscheidende Antwort zu geben.
    Wann?
    Morgen! wenn es irgend meine Geschäfte erlauben.
    So wird es dann gut sein - erwiderte ich, indem ich ihm die Geschichte
ihres Lebens, die ich, seit ich sie empfing, beständig mit mir herumtrage,
überreichte - dieses vorher zu lesen. Und hierauf entfernt' ich mich schnell,
ohne seine Antwort abzuwarten.
    Am folgenden Tage ließ er mich plötzlich, als ich gerade vor der Staffelei
saß, rufen. Aber ich ließ ihm zurück melden, dass es mir, ohne Gefahr für mein
Bild, welches mir teilweise eintrocknen würde, unmöglich sei zu erscheinen. Es
seien die spielenden Knaben. Wenn sie ganz untermalt waren, würde ich aufwarten.
Er soll lernen - dacht' ich - wofern er es noch nicht weiß, dass die Kunst, wie
das Gemüt, frei ist.
    Aber er ließ mir sogleich zurück sagen: ich solle mich nicht stören. Er
wolle sich gedulden, bis das Bild vollendet sei, und, wäre es ihm möglich,
selbst lieber kommen.
    Diese plötzliche Nachgiebigkeit, diese tiefe Verehrung vor der Kunst, rührte
mich dann wieder bis in das Innerste der Seele, und ich hätte ihm zu Füßen
fallen, und Vergebung meiner Härte von ihm erflehen mögen.
    Er kam wirklich, war so liebe-, freudevoll, so entzückt von dem Bilde, so
ganz entfernt zu ahnen, ich habe mich gegen ihn vergangen, dass ich wie
vernichtet vor ihm stand, und nichts, als hässliche, falsche Scham mich abhielt,
ihm meine tiefe Reue zu bekennen.
    Er gab mir die Handschrift zurück, gestand, dass sie ihm vieles erläutere, er
aber dennoch auf Entscheidung dringen werde.
    Am folgenden Tage gingen wir zu ihr. Ich sah, dass er eine harte Anrede im
Sinne hatte, aber im Augenblicke, da wir eintraten, verändert und im höchsten
Grade verwirrt wurde. Sein Unmut darüber war unverkennbar. Sich selbst und dem
mächtigen Eindrucke zum Trotze, schien er nun seinen Vorsatz ausführen zu
wollen. Wie gewöhnlich ging er mit großen Schritten auf und ab, während ich mit
Rosamunden die spielenden Knaben, die ich auf ihr Bitten hatte zu ihr bringen
lassen, betrachtete.
    Endlich trat er auch zu dem Bilde, und rief, nachdem er es gleichfalls eine
Weile betrachtet hatte: glückselige Mutter, die solche Kinder der Welt
hinterlässt! Wie arm ist das gepriesenste Weib neben ihr! Nach wenigen Jahren
ihre Spur nicht mehr
