 gewesen, und es hat mich wunderbarer als jemals
angezogen. Besonders tief hat mich das Ballet erschüttert. Sie haben Tänzer!
eine Tänzerin! bei dem allwissenden Gott, das ist ein Geschöpf sonder Gleichen!
Tränen des Entzückens füllen mein Auge, wenn ich daran zurückdenke.
    Ich weiß nicht, warum man bei uns so viel Komisches in das Ballet verflicht.
Hier ist Ernst, hoher, heiliger Ernst. Ich kann, ich mag euch noch nicht sagen,
welche Ahnungen das Alles in mir erweckt hat. Ich wollte, ihr kämet und sähet
selbst.
Seht, ich prüfe, vergleiche, finde nichts ihr Gleiches, Ähnliches; nicht einmal
unter den Werken der Kunst. Das ist Alles tot neben ihr.
    Nur in dieser Lebendigkeit, sagen ihre Feinde, liege der ganze Reiz ihrer
unvergleichlichen Schönheit. Die Toren bilden sich ein, das sei Tadel. O dass
sie den Blicken dieser Menschen Preis gegeben ist! die ihren Wert kaum ahnen.
Ob sie das weiß? Ob sie weiß, wie sie verkannt wird? Sonderbar genug hat mich
bis jetzt eine gewisse Scheu abgehalten. Aber soll sie das ferner? Sie ist nicht
männlich diese Scheu - und was fürcht' ich? - Wahrlich es fehlt mir die Antwort!
Wohin ich sehe, wohin ich gehe, da schwebt sie. Diese Scheu war Ahnung, Ahnung,
dass sie mein ganzes Wesen umfangen würde. Ich denke nichts mehr, als sie.
    Bernhard scheint mich zurückhalten zu wollen. Wovon? Von Anbetung der
höchsten, seelenvollsten Schönheit, die ich je sah? Und ihr Auge ruht mit
Wohlgefallen auf mir. Sie ahnt, dass ich sie kenne; verstehen wir keiner den
Andern. Doch hat sie noch kein Wort von mir gehört. Wie könnt' ich auch
sprechen, wenn diese Rosenlippen sich öffnen! O nur diesen Mund möcht' ich euch
zeichnen!
    Ein erbärmlicher Mensch, ein Graf, bat mich letzt um ihr Bild; aber ich
schlugs ab und gab vor, Porträt sei nicht mein Fach. Doch stellt er sich, als
gäbe er die Hoffnung nicht auf, und meinte, wenn sie mir nur sitzen wolle, würde
ich mich schon erbitten lassen. Erbitten!
Morgen! Morgen! Aber dass dieser Mensch mich bei ihr einführt, soll ich es
dulden? Nein, wie sie es auch nimmt, ich gehe früher.
    Matilde erblasste, da sie es hörte, und Bernhard ward rot, wie vor Zorn.
Bald hätte mich das erbittert; doch Mathildens Blick machte, dass ich mich
schnell wieder fasste. Die Kinder drängten sich dicht um mich her, als geschähe
ein Unglück, und Bernhard verließ plötzlich das Zimmer.
    Die guten besorglichen Menschen nehmen das Alles ganz anders, befürchten
eine gemeine
