 zu sagen; ließ meine Hand leise in die ihre gleiten und sie
hielt sie fest; ich war ganz sicher, dass mir hier ein leichter Sieg bereitet
sei. Überlegen Sie auch, ob ich so ganz falsch schloss; denn unter den acht
Kindern, die diese Niobe in einer durchdachten physischen Erziehung schön und
kräftig aufzog, wurden dreie fremden Vätern zugeschrieben; der Mann selbst war
dessen nicht in Abrede; er sagte, ehe seine Praxis so ausgebreitet worden, habe
er seiner Frau leben können; jetzt müsse er sein Glück dem größeren
Wirkungskreise aufopfern und seiner Frau die Freiheit lassen. Ich besuchte sie
den andern Tag; sie drückte mir wieder freundlich die Hand, und ich begann ihr
einige Zärtlichkeiten zu sagen. Sie wusste auf halbem Wege, was ich wollte, sagte
es mir und versicherte dabei, so gut ich ihr gefiele, denn sie hätte mich lieb
wie ihren eigenen Sohn, das könne sie mir nicht zu Gefallen tun. Sie erklärte
mir, dass ihre Liebe nur dem ausgezeichneten, ausgebildetsten Geiste gehöre; denn
wie sie ihren Kindern Fülle der Gesundheit geben könne, so sollten sie vom Malme
den vollkommensten Geist erhalten; darauf nannte sie die Väter ihrer drei
jüngsten Kinder, ich erstaunte die Namen dreier ausgezeichneter Männer zu hören,
denen sie zum Teil weit nachgereist war, um zu ihrer Bekanntschaft zu gelangen.
Sie schwor mir, dass keiner darunter so schön, so reizend ihr gewesen wäre als
ich, aber ihre ganze Seele hätte an ihnen gehangen; ich sollte mich erst in
irgend einem herrlichen Talente ausgezeichnet bewähren, dann möchte ich zu ihr
heimkehren und sie werde mir zu Füßen fallen. Dieses ganz offene Geständnis
löste alle Verlegenheit, die mich drückte, und indem es eine Neugierde bezwang,
erweckte es die andre, von einer so besonderen Frau mehr zu vernehmen, die eine
ganz ausgearbeitete Metaphysik ohne alles literarische Geschrei mit sich
herumtrug. Jedes Chor, fuhr sie fort, das sich selbst überlassen bleibt, lässt
unmerklich den Ton sinken; der bloße Antrieb, die physische Neigung im Menschen
wirkt eben so zum Schlechteren; ohne eine höhere Gesinnung können ganze Nationen
darin verdummen, und Kriege sind eben darum den Völkern notwendig, weil erst in
der Not den meisten Menschen die Talente groß und liebenswert erscheinen. Mir
ist die Ehrfurcht gegen Geistesherrlichkeit gegeben, dass ich ohne Zwang ganz
frei von je mich den Talenten ergeben; seinem umfassenden Geiste dankt es mein
Mann, dass ich ihn erwählte: ich schwöre Ihnen, es ist einzig die Schuld der
Mutter, die von der gewöhnlichen Rasse gesunde Dümmlinge in die Welt setzt,
welche ohne Idee des Höheren geboren, auch in den gewöhnlichsten Verhältnissen
des Lebens vor jeder Götternatur verschwinden; sicher hat sie sich durch einen
unwürdigen Mann täuschen lassen
