 verhasst. Wie nun jede
Unterhaltung, die in ihrem Scherze über die wohlgezogenen würdigen Grenzen,
welche die Schicklichkeit der geselligen Freude gesteckt hat, hinaus springt,
leicht überschlagen kann, so erging's auch eines Morgens zwischen dem Baron und
der Gräfin; er sagte ihr so harte Worte, nahm so bösen Abschied von ihr, dass der
Graf bei seiner Heimkunft sie einsam weinend auf ihrem Ruhebette ausgestreckt
fand. Sie klagte ihm ihr Ärgernis, und ehe sie ihn noch aufforderte, sie an dem
Baron zu rächen, war ihr Ingrimm schon so gedoppelt zu ihm übergegangen, dass er
es kaum über sich gewinnen konnte, sie auszuhören. Vielhundertmal hatte er
demonstriert, dass der Zweikampf, so wie er in Deutschland nur zwischen gewissen
Ständen eingeführt, eine elende Taschenspielerei mit der Ehre sei, während ihn
die zahlreichen Klassen des Volkes für etwas Schändliches halten; da sei kein
Gottesgericht wie in der ältesten Zeit, keine allgemein geglaubte Ehrenreinigung
dabei und in seinem unbestimmten Verhältnisse zu den Landesgesetzen und Sitten,
die ihn bald geböten, bald verböten, stelle er ein trauriges Zeichen jener
Unbestimmteit aller Einrichtungen dar, die gerade so wesentliche edelste
höchste Beziehungen im Volk, wie die Ehre, ohne allgemeine durchgeführte
Gesinnungen willkürlich misshandelten, brauchten und unterdrückten. Das war seine
Betrachtung, aber mit dem Augenblicke der Leidenschaft fasste ihn die gewohnte
Gesinnung seines Standes; an dem Baron ist nichts verloren, dachte er noch
obenein; die Bauern werden von einem schlechten Herren befreit, niemand mag ihn
leiden: das waren die jetzigen Betrachtungen, mit denen er seine
Kuchenreiterschen Pistolen in die Halftern steckte, sich auf seinen schwarzen
Hengst schwang und kaum mehr hörte, dass ihm die Gräfin zurief, er möchte ihrer
gedenken, so werde er ihn nicht verfehlen. Er ritt keine halbe Stunde, da stand
er vor dem Baron und machte ihm mit der Art angenommener Kaltblütigkeit, die in
solchen Verhältnissen geachtet wird, seinen gefährlichen Antrag. Der Baron war
aber längst über dergleichen Verhältnisse hinaus; er lachte den Grafen an: ob er
ihn denn für wahnsinnig halte, sich auf so etwas einzulassen, da er noch tausend
andern Spaß haben könne, und ihm selbst die schimpflichste Abbitte nichts koste.
Wirklich rief er in großer Ruhe seine Schreiber hinein und diktierte einem eine
so beschämende demütige Abbitte, unterschrieb und besiegelte sie, war nachher so
lustig wie vorher, dass der Graf, der von dem Mute des Barons manche Proben
wusste, die er in fremden Diensten abgelegt hatte, über eine Natur staunte, die
aus dem ganzen Ehrenkreise seiner Zeit, seines Volkes, ohne große Begebenheiten,
bloß durch sich selbst heraus gerissen worden; mit Schrecken dachte er, dass eine
Revolution gerade notwendig solche Menschen an ihrer Spitze tragen müsse, und
mancher jugendliche
