 machen, bis er
einen zweiten Brief von ihm erhalten.
 
                              Sechzehntes Kapitel
                             Schluss der Geschichte
Wunderbares Nachdenken, ew'ges Schaffen, du unsichtbare Sonne, in der die Taten
reifen, die Begebenheiten in ewigem Wechsel von Frühling zu Frühling
fortschreiten; allgegenwärtiger Strahl, der übers Meer und in die Tiefen
leuchtet, während er die Höhen zugleich vergoldet, wo ist dein Sitz und deine
Quelle? Dieser sterbliche Körper ist dein Zeichen und ein göttliches Zeichen,
aber was herrlich im allgemeinen Leben, das denkt alles in Gott, alle
herrlichen Gedanken sind Strahlen seiner Liebe, Gottsöhne vom Heiligen Geiste
empfangen, so mannigfaltig hat sich verkündet der Herr allen Zeiten, allen
Völkern; wie die Wärme durchdringt er die kalte Welt und regt sie an zu neuer
Verbindung. Wehe dem, der sich diesem göttlichen Strahle verschließt, und in
eigener Lust sich der allgemeinen Liebe verschließt; immer enger ziehen sich die
Schranken seiner Gedanken, er glaubt die Welt zu gewinnen und verliert sich
selbst, alles entfremdet sich ihm, er versteht keine gute Seele und keine gute
Seele versteht ihn mehr, und seine Liebe und sein Hass und seine Taten und sein
Leben, alles ist scheinbar und nichtig. Ein Tag innerer Versündigung kann den
Menschen um ein halbes Jahrhundert an Geist, Erkenntnis und Durchdringung alles
Lebendigen schwächen und veralten - wie der Schäfer in alter Erzählung, von
bösen Geistern in einer Zauberhöhle festgehalten, heimkehrt und nur einen Tag
versäumt zu haben meint, aber die Welt, die Jahrhunderte fortgerückt ist, weder
kennt noch versteht, auch sein Haus nicht wiederfinden kann, so geschieht auch
dem Sünder; darum hütet euch vor dem ersten Falle, die ihr das Licht und die
Anschauung der Welt liebt.
Seit jener unseligen Nacht am Ätna, in der die Fürstin sich ihrer Leidenschaft,
die sie vorher noch zu bekämpfen strebte, ganz hingegeben, war ihr der Geist in
allen seinen Kreisen verwirrt und verfälscht; mit keiner Seele konnte sie sich
eigentlich verständigen, in allen Wesen irrte sie sich. In Kleliens Gesellschaft
ergriff sie eine wunderliche Beklemmung, sie hasste sie deswegen heimlich und
wusste sich den Grund nicht anzugeben. Gegen Dolores empfand sie ein eigenes
Mitleiden, das sie sich nicht gestehen wollte, deswegen machte sie sich oft
unter mancherlei Vorwand von der Gesellschaft los. Der Graf hatte allmählich
durch ein tieferes Eindringen in die Künste ein gewisses sinnendes Wesen
bekommen, das ihn der Fürstin noch reizender darstellte, ihn aber noch viel mehr
verhinderte, die Leidenschaft, die sie für ihn gefasst und der sie nachhing, zu
bemerken; er meinte in der Achtung, die er gegen sie hegte, dies sei die höchste
ideale Freundschaft, die je ein Weib erfasst. Sie glaubte in jener Sinnigkeit
seines Wesens, die bei dem ernsten Ausdrucke
