 schützen,
Und was das Liebste, musste ich ihm opfern.
MUTTER.
O Gott, wie elend müssen sein die Völker,
Dass solche Schande nur ihr Leben fristet.
VATER.
Verwirf nicht rasch, was du so wenig kennst,
Denn du verwirfst auch mich, noch wirk ich drin,
Wenn gleich mit traurig plagenden Gedanken.
Was gibt dir Sicherheit und Wohlstand hier,
Da rings Verheerung, Mord und Brand bei andern Völker,
Aufopfrung ist was wert! Würd mir wie Menschen,
Wie andern Menschen wohl, nur einmal wohl,
Ich hätte nicht die Kraft mich los zu reißen,
Ich bliebe ruhig, ließ der Welt den Lauf;
Auch meine Unruh muss dem Staate dienen.
MUTTER.
Hat nicht die Welt den Lauf nach Gottes Willen,
Ich kann's nicht sagen, was ich innen fühle,
Und weiß doch auch gewiss, ich habe recht;
Nicht Menschenklugheit gibt der Welt den Frieden,
Ihr müsst begeistert sein, es kommt von oben,
Von außen kommt doch nur Vergänglichkeit.
VATER.
Ha du gehörest auch zu jener myst'schen Welt,
Die ich in Musenalmanachen merkte.
Mein Kind, was Völker bildet und beherrscht,
Ist nicht, was unbestimmt der Mund kaum lallet,
Und wär's das Herrlichste, es ist nicht unser,
Es spricht zur Zukunft erst und bildet sie;
Die gegenwärt'ge Not will gegenwärt'ge Kraft,
Die ganz gemeine, die in jedem wohnet,
Sie zu ergreifen, ist des Herrschers Geist,
Und sie zu lenken, dient des Staatsmanns Klugheit.
Ist Menschenklugheit denn nicht Gottes Gabe?
Wie sind Sie doch so altklug hier geworden?
Weil Sie allein, drum widersprach auch niemand;
Wo blieb das Schweigen, hört ich doch so gern
Die lieben Worte: Ich versteh es nicht.
MUTTER.
Und wie so kalt, wie steinern werden Sie!
Wie hatt ich sonst von Ihrem Geiste Meinung,
Und sprach schon nach, was ich noch kaum vernommen,
Und jetzt verstehen Sie mich gar kein Wort.
VATER.
Ach die sich lieben, müssen sich verstehen,
Ist dieses nicht mein Arm, die Stimme mein,
Ich bin derselbe, aber Sie sind anders.
Bei Gott, ich übte doch die höchste Sanftmut,
Was half es mir, ich fand nur Widerspruch,
Kann Mund zum Mund sich finden, wo die Worte,
Wie Pfeile sich in dunkler Nacht durchkreuzen:
Nicht lieben, streiten lässt sich nur darin.
MUTTER.
So wollen wir mit Vorsicht weiter reden
Und klug vermeiden, wo uns Meinung scheidet.
VATER.
Soll Mann und Frau nicht eine Seele sein,
Die schlimmste Scheidung ist die Scheidung der Gedanken;
Im Staatsamt bin ich klug, da brauch ich Vorsicht,
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