
wer aber nach etwas gestrebt, der soll sich der Zeichen seiner Mühe, der
Schwielen und Narben nicht schämen; der Mensch kann nichts Besseres tun, als alt
werden, und der Jugend seine Bekenntnisse auf den Weg geben.« - Fragte man ihn
nach seiner Frau, so fuhr er fort: »Nur eins lässt sich nicht lehren und nicht
lernen: die Liebe; wer um das Glück ihrer ersten reinen unschuldigen Wahrheit
betrogen, der sucht überall vergebens; sein Geschmack ist nicht rein, seine
Galle mischt Bitterkeit in das Süsseste. In der Liebe ist jeder Anfänger Meister;
sie hört auf wie die Kunst mit der Schule. Die Natur will viel mit dem Menschen,
der Mensch, auch der umfassendste, will wenig mit sich, und was er will, kann er
selten.« - Fragten sie ihn, womit er sich innerlich beschäftige, so antwortete
er: »Mit der Philosophie, ich habe sie völlig ausgedacht, ich kann es mit meinen
Papieren beweisen, dass alles, was darüber erscheint, nur ein Glied meines
Systems ist.« - Baten sie ihn um sein System, so klopfte er den Leuten auf die
Schulter und sprach: »Versucht's einmal, eure Freude, eure Schmerzen, alles euch
so zu durchdenken, dass euch nichts mehr störe, dann will ich euch in die Lehre
nehmen.« - Manche Deutsche besuchten ihn, erzählten von großen politischen
Unternehmungen; da rief er einmal: »Ihr seid mir ein wunderliches kleines
Geschlecht, ihr möchtet gern etwas Gutes getan haben, aber nichts tun; wahrlich,
wenn es so leicht wäre, etwas Großes zu vollbringen, ich wäre auch ein großer
Mann geworden, und könnte es noch jetzt sein.« - Seine Leona betete oft mit
Inbrunst, wenn sie ihn wiedergesehen: »Herr Gott nimm ihn zu dir, denn er lebt
ja nicht mehr!« Sie konnte endlich den Gedanken nicht ertragen, ihre beiden
Söhne im Unglauben bei ihm aufwachsen zu sehen; sie raubte sie ihm heimlich, und
brachte sie in einer entfernten Schule unter. Gleich erriet er, wer ihm dies
getan, bezeigete aber keinen Unwillen, da sie nicht bei ihr geblieben; »bleiben
sie nur mit vielen zusammen«, meinte er, »so ist es ihre Schuld, wenn sie
verkehrt werden.« Bald nachher begegnete sie ihm Sonntags; seine Stirne war
gerunzelt, er schien seit langer Zeit zum erstenmal etwas empfunden zu haben.
Sie glaubte, er käme aus der in der Nähe liegenden Kirche. - Er bekräftigte ihr
das. - LEONA: »Haben Sie sich endlich dem Glauben ergeben?« - FRANK: »Der
Glauben hat mir meine halbe Vernunft genommen, indem er mir meine Uhr
