
Heilige, wie die Mutter Gottes, die jammernd neben dem gekreuzigten Sohne steht,
und sie wollten nicht die Kriegsknechte sein, die den Gekreuzigten verspottet.
Es ist ein großes Werk in einem Volke, die sinnliche allgemeine
Vergegenwärtigung einer hohen Begebenheit; oft in der höchsten Abirrung des
Lasters tritt sie bei einem geringen Zeichen richtend und belehrend mitten aus
den brausenden Leidenschaften hervor. Die Herzogin segnete die Räuber für diese
Zeichen der Reue und vergab ihnen ihre Lastertaten, wenn sie sich wahrhaft
bekehrten und aus Verrätern in Schützer des Rechts verwandelt, ihr verfallenes
Leben in würdigem Dienste beschließen wollten. Balsamo, der Anführer, schwor ihr
dies am Kreuze im Namen aller; er blieb ihr mit den meisten treu, und seiner
Bekanntschaft mit den Räuberschlichen dankte bald der größte Teil von Sizilien
vollständige Ruhe und Sicherheit. Dieses Ereignis hatte Klelia nie dem Grafen
geschrieben, das litt ihre Bescheidenheit nicht; kaum konnte er diesen hohen Mut
begreifen, wenn er die stille sanfte Frau anblickte. Doch lernte er sie bald in
der kühnen Größe ihrer Seele und in der Schärfe ihres Verstandes noch auf viel
andere Art kennen.
    Sie hatte sich zur Aufrechtaltung des Rechts mit dessen Studien selbst
ernstlich beschäftigt, was ihr durch frühere Liebhaberei an lateinischer Sprache
erleichtert worden; Rechtsgelehrte verliehen ihr bald den Ehrentitel als Doktor,
die Regierung das Amt eines Königlichen Oberrichters. In diesem Amte saß sie bei
den Gerichtstagen und störte mit gewandtem Verstande, wo überwiegende List und
Parteilichkeit das Unrecht begünstigten; ihr Ansehen wirkte bald so mächtig, dass
Entfernte selbst ihre Angelegenheiten vor dieses Gericht brachten. Es verdient
bemerkt zu werden, dass sie häufig einen Ausspruch tat, dessen Gründe sie nicht
selbst gleich in Worten entwickeln konnte, der aber für alle so überzeugend war,
dass die Gründe von den Gelehrten bald entdeckt wurden. - Strenge Ordnung in
ihrer Lebensweise machten es ihr möglich, außer diesen Geschäften noch
hinlänglich den Ihren zu leben, um ihre Gesinnung in allen fortzupflanzen. Ein
Tagebuch, das sie an jedem Morgen von vorhergehendem Tage in aller Kürze
verfasste, diente ihr zur Aufmunterung und Warnung; selten bemerkte sie darin
etwas über sich und was ihr besonders und eigen, was die meisten Tagebücher
gewöhnlich füllt; oft ist es nur ein kurzes Gebet um Gnade und Erleuchtung oder
um Kraft, wo ihr etwas zu schwer erschien; zuweilen bedauerte sie etwas
Versäumtes, meist sind es kurze Nachrichten von bedeutenden Ereignissen in ihrem
Ländchen. Wir heben einige Tage aus als Belege:
    Den 1sten Mai. Algierische Seeräuber landeten bei Lido während der Hochzeit
des Bauers Zampiero, sie drangen in die Häuser und raubten Gut und Kinder. Das
Geschrei kam in die Kirche, wo alle Bauern versammelt, alle waren zweifelhaft
was zu tun, da ergriff der geistliche Herr Anatonio den Kelch
