 er von Liebe zurückgehalten in Freude und Leid ganz vergessen hatte,
als ein Student höherer Art, denn das sind alle wahren Reisenden. Von vielem
hatte er Kenntnis gewonnen, für alles Sinn; wie mannigfaltig war da ihre
Mitteilung. Nach einem Monate glaubten sie schon, durch Jahre von den verhassten
Begebenheiten geschieden zu sein.
 
                                Viertes Kapitel
 Ankunft bei der Herzogin von A ... Neue Lebensweise. Dolores, die gute Mutter
Ungeduldig wandle ich mit ihnen über Berg und Tal, selbst Rom, bei dessen bloßem
Namen sonst schon meine Gedanken weilen, genügt mir nicht; ich möchte sie sicher
in den Armen der herrlichen Schwester wissen, sie einführen in den neuen Kreis
ihres neuen Lebens. Wie ein Feenschloss von Demanten winkte Palermo entgegen, das
von dem Feste der heiligen Rosalie jauchzte. Es war später Abend als sie
landeten, aber die himmelhohe Statue der Heiligen, die ihnen schon im Meer
entgegen spiegelte, empfing noch ihr Gebet um Glück und beruhigte sie. Jetzt
fahren sie vor den Palast der Herzogin, auf dem größten ihrer Landgüter, drei
Meilen von Palermo, die Herzogin weiß nichts von ihrer Ankunft; sie sind ihren
eignen Briefen vorgeeilt; sie eilen die prachtvollen marmornen Säulentreppen
hinauf, durch reich bekleidete Bedienten hindurch, die sie anstaunen und fragen;
aber sie eilen ungeduldig weiter in ein Zimmer, wo die Herzogin sie empfängt.
Welche Überraschung! einfach traurend steht die Herzogin da unter einer Zahl
schöner Kinder, die ihre Schreibebücher vorzeigen; aber wie hat sich Klelia
entwickelt, sie, die sonst von niemand bemerkt wurde, steht in ihrer Mitte mit
einer sanften Würde, die im ersten Augenblick selbst ihren alten Freund, selbst
ihre Schwester zurückschreckt. Aber wie selig überrascht umfasst sie beide, und
die Kinder lächeln froh bei ihrem Anblick, als wenn ein Engel im Schlafe mit
ihnen spielte. Wir sind alle gerührt, es geht nun alles recht gut; wie leicht
wird es der Gräfin, ihr alles zu beichten; schmerzlich ist es der Herzogin, das
Andenken des Herzogs, das ihr so teuer war, so ganz in sich auslöschen zu
müssen; aber die Wahrheit ist ihr Leben und die Kinder füllen ihre Gedanken nun
wahrhafter und schöner. Alle gewinnen bald einen festen Lebenskreis und
Bestimmung; vor allen findet der Graf in der ökonomischen Verwaltung, die der
Herzogin bisher am lästigsten gewesen, ein schönes Feld, seinen wohltätigen
Geist über Tausende auszubreiten, der sich bis dahin in der Anordnung weniger
Menschen begnügen musste; er findet ein dankbares Volk, unter dem ein
verständiges Wohlwollen von oben her noch so selten gewirkt, dass beinahe noch
alles zu tun übrig war. In dem Rausche des Wiedersehens ist der alte Bediente
nicht übersehen worden; die Herzogin hat ihn wie einen Vater geküsst
