 sich nicht helfen und jammert; noch gibt sie ihn nicht auf, sie steht ihm
bei und betrachtet ernst, ob ihn die Reue noch bessern könne, da es die Liebe
nicht vermochte. Gewiss, die reuige Busse kann viel, sie ist die wirksamste Kraft
in den großen Begebenheiten wie in den kleineren des häuslichen Kreises; ihre
Wiedererzeugung, bald unbewusst, hat seit dem Gedenken der Welt alle Krankheiten
der Zeitalter geheilt, so verschieden sie immer erscheinen mochte. Bald war die
Busse ein zerknirschendes Betrachten, ein Selbstquälen, bald ein tätiges
Vernichten des eignen falschen Strebens, in einem Handeln nach entgegengesetzter
Richtung; keine Busse darf die andre verachten, jene scheint mehr der geistigen
Sünde geeignet, diese geziemt der tätigen ausgeführten Lastertat. Die eine Busse
ist die höchste Kraft und Auszeichnung des Menschen. Die Natur hat es ihm
versagt wie ein Baum seine abgehauenen Glieder wieder zu ergänzen, aber sie gab
ihm dafür diese Kraft geistiger Wiederergänzung, und selbst die Tiere, wie sie
sich ihm nähern, verlieren jene Eigenschaft ihres Körpers, um dieser geistigen
sich zu nähern; die vom Menschen gezähmten mächtigsten Tiere wünschen und
erfreuen sich der Busse, wo sie ein Unrecht getan, sie wissen es weder schön noch
gut, noch heilig zu machen, sie wollen Strafe. Auch der Mensch unterziehe sich
willig der Strafe, wo die Busse ihn nicht ganz erneuen kann: die Strafe ist die
Ergänzung der Busse.
    Nicht alle Zuschauer waren von dem schreckenvollen Ereignisse so gewaltsam
ergriffen als die Gräfin; doch waren die meisten allzusehr in ihren trägen
Betrachtungen gestört, um dem niedergesunkenen Grafen wesentlich Hilfe zu
leisten; vielmehr verdarb die Menge der durch Türen und Fenster eindringenden
Menschen die Luft so schnell, dass der alte Invalide sich mit Gewalt Luft machte,
mit seinem Sohne den blutigen Körper des Grafen ergriff und nicht ohne heftigen
Widerstand in ein nahes verschlossenes Zimmer trug, ihn dem leeren Mitleid und
der widrigen Neugierde zu entziehen. Hier konnte ihm der Stadtwundarzt, der auch
Mitglied der Schützengilde war, ungestört die Kleider öffnen und die Wunde
untersuchen. Gegen seine Erwartung fand er, dass die Kugel an einer Ribbe, die
sie streifend zerschlagen, abgegleitet sei und nicht das Herz durchdrungen habe,
auch fanden jetzt die Schützen die Kugel in der Wand des Schiesssaales
eingeschlagen, welches im ersten Schrecken übersehen worden; die weibliche
Furchtsamkeit der Gräfin hatte wahrscheinlich vor dem Losdrücken den Lauf von
der geraden Richtung gegen das Herz des Grafen abgewendet. Sobald diese
gebrochene Ribbe ausgebogen und einige Stärkungsmittel ihm eingeflößt waren,
atmete der Graf wieder auf, er dachte in einem anderen Leben, und sah sich
wieder in dem verhassten bekannten Kreise, in demselben Leben, das ihm schon
unerträglich gewesen, noch mit der Last einer schweren Wunde auf das
Krankenlager
