 bin ich wieder dein!
Ich ging in mir verloren
Weit in die Welt hinein,
Ich ging mit tausend Toren
Und fand mich ganz allein.
Ich hatt den Weg verloren
In tiefer Nacht allein,
Da klang's mir vor den Ohren,
Im Aug ward Dämmerschein.
Es klang: Was du verloren,
Das ist der Glaub allein,
Die Liebe, treu beschworen,
Die wird auch ewig sein.
So stand ich vor den Toren
Und ging zu Liebchen ein,
Da hat sie neu beschworen,
Dass sie doch einzig mein.
Ich bin zum Glück geboren,
Und war in schwerer Pein,
Die Lieb hat mich erkoren
Aus einer Welt allein.
Ich bin wie neugeboren,
Von allem Leben rein,
Und was mir angeboren
Ist alles, alles dein!
Also hatte die Liebe in ihm allerlei ausgegoren, um ganz zur Weinklarheit zu
gelangen; aber auch in der Gräfin ruhte sie nicht, zum Bessern zu wirken, wenn
sie auch nicht das Beste erreichen konnte. Die Gräfin nahm sich ernstlich vor,
ganz gut zu werden, und die erste Äußerung dieses Entschlusses zeigte sich in
der Entfernung alles des Halbguts, woraus bis dahin ihre Gesellschaften
bestanden; eigentlich schämte sie sich, das Volk in der entstandenen
Vertraulichkeit zu ihr, dem Grafen vorzustellen, auch ihre politischen
Schreibereien verbrannte sie. Die alten Freunde des Hauses traten darauf wieder
in ihre Rechte und es war ein Nachsommer des Glücks in dieser Erhellung ihrer
Schönheit durch die Güte, - dem nichts fehlte als die Dauer.
 
                                Zwölftes Kapitel
                             Bekenntnis der Gräfin
Es ist ein Schreckliches in der Natur, dass sie, unbekümmert um die Gesinnungen
der Menschen, ihre Rechte übt und aus der Schande, wie aus der Tugend ihr ewiges
Fortleben zieht; Kinder in Blutschuld und Untreue empfangen, leben ein gleiches
Leben wie die Kinder der treuen Unschuld; wehe aber der armen Unschuld, die aus
solcher Schuld hervorgehend, wie ein rächender Engel zwischen die Eltern tritt.
Die Gräfin musste sich nach drei Monaten eingestehen, dass sie wiederum Mutter
werden würde, ihr Bewusstsein sagte strafend, dass es eine Frucht ihrer Sünde sei;
der Graf, ohne Verdacht des Bösen, freute sich herzlich des neuen Segens;
Sorgfalt für das Wohlsein seiner Frau beschäftigte ihn ganz, und wenn sie
zuweilen bei einer heimlichen Warnung in Gegenwart andrer sich einer Speise,
eines gefährlichen Sprunges zu enthalten errötete, so schrieb er es immer auf
die Art von Scheu, die jungen Frauen gegen ihre Männer so wohl lässt, als wenn
sie gleichsam fürchteten, ihre Vertraulichkeiten möchten an den Tag kommen.
Mancher innere Vorwurf beängstigte sie und ihr Zustand selbst, indem er sie
beängstete und beschränkte, zwang sie zur Betrachtung; oft schwebte das
Geheimnis auf ihrer Zunge, vielleicht wäre alles durch ein
