
Zeitungen schreiben und von dem keiner weiß, ach, wenn das wahr wäre!«
    Und bei diesen Worten fielen sie einander mit süßer Freundlichkeit in die
Arme und lachten und weinten zugleich und dachten ihres Vaters, und dachten ganz
gewiss, der ihnen als Vorbild aller adligen Schönheit und Anständigkeit
vorschwebte, müsse irgendwo ein gleiches Glück sich verdienen, und da verloren
sie sich in mancherlei Träumen, die wir mit einigen Betrachtungen ersetzen
wollen. Wir haben den festen Glauben, dass die periodische Not ganzer Völker, die
unter mancherlei Namen meist unerwartet über sie einbricht, ganz notwendig sei,
alle eigentümlichen Gesinnungen, Bildungen und Richtungen zu prüfen, die sich im
Übermute des Glückes entwickelt hatten, die zufälligen, leeren und störenden
Sonderbarkeiten gehen unter, die echte, reine, aus sich selbst lebende
Eigentümlichkeit wird bewährt, gestärkt und ihrer selbst gewiss. Die
Auswanderungen aus Frankreich in den ersten Jahren der Staatsumwälzung zeigten
uns einen großen Teil der gebildetsten Bewohner jenes reichen Landes in diesem
Kampfe mit dem täglichen Bedürfnisse; die mannigfaltige Art, wie sie ihn
bestanden, erregte allgemeine Teilnahme; viele ahndeten auch lange voraus, dass
die Zeit in ihrem festen Schritte auch über Deutschland hingehen und die alten
Verhältnisse, zu Glück und Beruhigung mühsam auferbaut, niedertreten könnte. Wir
sehen hier dieses Bild schon in einer Familie von dem schuldigen auf den
unschuldigen Teil einbrechen; die Schuld des Grafen konnte die Seinen des
Überflusses berauben, aber das Notwendige hätte ihnen doch nie gefehlt, hätte
der Krieg nicht so zerstörend auf der Gegend gelagert. In solcher Zeit der Not
ist wenig davon die Rede, was das Beste für jeden zu tun sei, ihr entgegen zu
wirken, sondern hier zeigt sich, was jeder nicht lassen kann, und erklärt sich
bei jeder Veranlassung. Mit Sehnsucht brach Dolores auf Veranlassung jener
Geschichte in Klagen aus, dass dem Adel die Heiratslust so ganz vergangen
schiene; eine glänzende Heirat sei der höchste Preis einer Frau, alle turnierten
darauf. »Nicht alle«, sagte Klelia beleidigt, »lieber wollte ich bis zu meinem
Lebensende von meiner Hände Arbeit leben, als eine Heirat suchen.« - »Die Arbeit
macht dir gemeine Gesinnungen«, fuhr Dolores heraus.
 
                                Fünftes Kapitel
                                   Graf Karl
Da trat der alte Bediente wie gewöhnlich in seinem Sonntagsrocke mit derselben
Art zu ihnen ein, wie er in Zeiten des Glücks gekommen war, sie schmeichelten
und ärgerten ihn nach alter Art. Aber statt wie gewöhnlich von ihrem Vater zu
erzählen und von dem vielen Weine, den er bei Tische umhergesetzt und
eingeschenkt, wie er dem Herrn den Schlossbau einst abgeraten, aber dafür beinahe
aus dem Dienste gejagt worden wäre, begann er heute seine Reden ganz anders,
wohlgefällig geheimnisvoll. Erst nach langen Umschweifen von dem Glücke,
