 die Schwindsucht, die
Maler vom Farbendunste die Malerkolik bekommen, Tonkünstler leicht taub werden,
und mit diesen Krankheiten alle die anstecken, die in ihren Werkstätten hausen,
so teilen die Dichter ihren Dichtersparren gar leicht den Menschen mit, die sie
sich zu ihrer Werkstatt erlesen, und dazu ersehen sie in ihrer Torheit die ganze
Welt und denken nicht daran, dass ihnen nachher keine Leser übrig bleiben.«
GRÄFIN: »Sie wissen, ich sage meine Meinung. Sie sind ein Verstandesmensch, Sie
wissen nicht, was Begeisterung sei, wie ein Mensch darin im Augenblick über alle
erhaben die Welt überschaut, wo sie uns verschlossen mit Bergen und Wolken; muss
er da nicht hart sein gegen die, welche ihn nicht verstehen und seiner Gaben
sich nicht erfreuen?« FRANK: »Haben Sie nie Verse gemacht oder sonst in Worten
etwas dargestellt?« GRÄFIN: »Nein, ich wagte es nie, die Worte waren mir immer
entfernter als Musik und Zeichnung.« FRANK: »Nun kann ich es mir erklären, wie
Sie Dichter für so ganz besondere Menschen halten. Erst in eigener Übung lernt man
bei aller Kunst das Übereinstimmende augenblicklicher Eingebung mit jahrelangem
Streben erkennen; wie die Körper nur flüssig auf einander wirken, so bedarf das
Geisterreich einer vieljährigen lösenden Wärme, ehe es seine edlen Metalle in
einem Geiste niederschlägt und frisch kristallisiert in einem Augenblicke allen
zur Bewunderung herstellt. Ob einer unter Büchern, oder auf einsamer Heide, oder
in sich verschlossen unter einer Menschenmenge, dieser Sehnsucht seines ganzen
Herzens nachhängt, das kommt auf eins: dieses sind die wahren Dichter; jene
aber, die, wie Waller, auf halbem Wege stehen bleiben, möchten ohne eine
Sehnsucht nach dem Herrlichsten, diese heilige Gabe immerdar empfangen, und so
wird jede Torheit, die ihnen durch den Kopf geht, als eine heilige Gabe von
ihnen geachtet und ausgeschrieen. Die Welt tauscht diese Torheit mit andrer
Torheit ein, so ist es ein ewiges Rühren und Erquicken zwischen der
mittelmäßigen Welt und den mittelmäßigen Dichtern.« GRÄFIN: »Denken Sie auch,
was Sie mir darin sagen.« FRANK: »Ich darf es sagen, denn Sie denken eigentlich
höher und tiefer, aber Ihr guter Glaube, Ihr wohlwollen nimmt Ihnen das ruhige
Urteil über Waller.«
    Die Gräfin stellte sich ärgerlicher, als sie war; sie ging zu Waller, der
gewaltig nieste und etwas zu essen begehrte. Der Schlaf schien den Mann
verwandelt zu haben; während er mit großer Begierde aß und trank, ließ er schon
seiner ganzen Lustigkeit den Zügel. Die Kinder mussten ihm ein Puppenspiel
bringen, das er von einem Freunde, dem Puppenspieler Rubald, zum Geschenke
erhalten hatte, nachdem dieser wieder in den Krieg gezogen. »Ein
