 der dunkeln stürmischen Nacht betrauerte, nachdem die
Kriegsfurie mir helle Augen vorgehalten hatte, die mehr blenden als erleuchten,
und ich fühle dies noch jetzt, umgeben von den Zerschmetterten, so lange ich
mich selbst stark und gesund fühle. Nur die Übeltat der Schwäche ist unheilbar,
die sich aufgibt, weil ein andrer ihr nie ganz helfen kann, den sie nun darum
hasst; alle anderen Versehen unserm Volke zu schulmeisterlich vorrechnen, ist
eben so anmassend als leer; viele haben sich geopfert und die übrigen werden
durch sie leben. Wenn einer im glühenden Abendrot das Volk versammelte, und
schritte auf Stelzen über dasselbe einher, und versicherte den Leuten, er sei
unser Herr Gott, und die Leute glaubten nicht daran und könnten nicht zum
Entschlusse kommen, ihren Kopf wegzuziehen, freilich da würde er ihn manchem
einschlagen, indem er über alle hinfiele; machen sie ihm aber Platz, so geht er
die wenigen Schritte, die er auf Stelzen zu gehen hat, ruhig fort, und muss dann
doch herunter, und ist dann ein Mensch wie alle; nur hafte keiner an der
Erdscholle, wo er geboren, lieber werfe er damit auf ihn. Völker müssen wandern,
müssen steigen und sinken. In der Tätigkeit schweigt der Jammer, und der Jammer
ist das ärgste Übel. Darum hasse ich alle politischen Laubfrösche, die sich
prophetisch schreiend verkriechen, wenn ein Ungewitter naht, und sich das als
Weisheit anrechnen: jene ewigen gleich falschen Drehorgeln, die auf allen Messen
klagen. Wer den Finger hebt zur wirklichen Hilfe, ist mehr wert. Jene aber sind
ganz des Teufels, die ihr Zeitalter in eine philosophische Abteilung schrauben,
und es nachher durch und durch verdammen. Achten wollen wir um so höher, was in
uns, was in der Zeit die Probe bestanden, denn die Probe war hart.«
    Bei diesen Worten fiel der Graf Wallern um den Hals und drückte ihm beide
Hände.
    Waller fuhr mit neuem Eifer fort: »Eine spanische Schafherde, die in vielen
Jahren aus einem Paare aufgebracht ist, das mühsam den weiten Weg geführt wurde,
hat einen größeren Einfluss auf die Zukunft, als eine gewonnene Schlacht, die
doch nie in ihren Folgen ersetzen kann, was die Menge gemordeter Menschen hätte
schaffen können. Überhaupt ist alles Zerstören ganz leer und unbedeutend, aber
das Schaffen ist des Höchsten Werk; auch gibt es kein herrlicheres Gefühl, als
dieses Schaffen und Erfinden, sei es in Taten oder in Gedanken: es ist ein
heiliges Ehebett mit der ganzen Welt. In heiliger Ehe lebe ich mit jedem meiner
Werke, wir lernen von einander, und es ergreift mich, ehe ich zu einem die Feder
ansetze, oder ehe ich zum Vorlesen desselben übergehe, eine Furcht,
