 so wesentlich; sieh, liebe Frau, es ist das schönste Geschäft der
Frauen, eine törichte Leidenschaft zu bändigen und zu beschränken, künftig giesse
kein Öl ins Feuer!« - Sie nahm diese Ermahnung mit einiger Empfindlichkeit auf,
weil sie zum Sprechen allzu ermüdet war; sie war schon eingeschlafen, als ihr
der Graf eine gute Nacht bot, und der Tag endete ihm weniger heiter, als dessen
Aufgang erwarten ließ. - Ist es nicht eben so im großen Leben der Natur, in der
Witterung; wie könnte unser kleineres Leben sich davon los opfern und frei
beten; doch wünschten wir, dass eine glückliche Ehe dies vermöchte, und wenn dies
unmöglich, dass sie wenigstens in ihrer Dauer und Festigkeit und übrigen
Glückseligkeit dadurch nicht gestört werden könnte. Wir sagen mit Waller, den
wir bald näher kennen lernen, zum Schluße dieses Hochzeittages:
Eine glückliche Ehe vergleich ich dem Pendel der Uhren,
 Der aus verschiednem Metall schön im Verhältnis gefügt,
 Wenn es im Innern auch spannt im ewigen Wechsel der Wärme,
 Nimmer von außen es zeigt, nimmer verwirret die Uhr;
 Blinkend erscheint er im Anfang und rostig gedunkelt im Alter,
 Doch sein Inneres vereint gleiche Vertraulichkeit stets.
 
                              Siebzehntes Kapitel
       Geschichte des Einsiedlers und der Mohrin. Nachrichten von Klelia
Am anderen Morgen war die Gräfin recht betrübt, dass ihr Rosalie fehlte, die jede
ihrer kleinen Gewohnheiten und Bequemlichkeiten kannte, jeden Wink verstand;
erst jetzt lernte sie die ausgezeichnete Fügsamkeit und Beflissenheit des
Mädchens kennen, da ihr Ilse alle wesentlichsten Dienste ganz ungeschickt
leistete. Sie flüchtete sich aus ihren ungeschickten Händen ganz verdrießlich
zum Grafen, der bei der Durchsicht einer weitläuftigen Baurechnung der neuen
Dorfkirche, die nun bald beendigt war, alle seine Aufmerksamkeit gefesselt
hielt, legte sich auf seine Schulter, spielte in seinen Haaren, und erzählte ihm
mit einem weinerlichen Tone, wie es doch so böse um das Heiraten der Mädchen
wäre; kaum wäre ein Mädchen brauchbar, so würde es in eine ganz fremde
Beschäftigung dadurch gebracht; wenn doch alle Dienste so könnten eingerichtet
werden, dass die Leute sich dabei verheiraten könnten. - Der Graf sagte immer
kein Wort und rechnete fort. - Die Gräfin sah ins Buch und las: »Drei Schock
Lattnägel, Hohlsteine«, lachte und sagte: »Ich glaube, du wirst noch ein
Baumeister; hör, du tust dir noch Schaden in der glatten Stirne, die ich so gern
küsse, und das leide ich nicht!« - dabei küsste sie ihm einen Kranz um die Stirn
und dieses Entgegenkommen war bei ihr so selten, dass der Graf die ganze
verwickelte Rechnung zur Seite schob, ungeachtet er sich fest vorgenommen hatte,
sie noch denselben Tag zu beendigen, die Gräfin auf seinen Schoss setzte und sie
