 Verhältnisse der Geschlechter aus, weil sie ihm
am deutlichsten und wichtigsten unter allen sind; uns sind andre Verhältnisse,
der Staat, die Gesetze, der Krieg wichtig geworden, wir reißen damit im
fröhlichen Augenblicke unsre Zoten und wer weiß, welche die besten sind; eine
gute Zote erfordert auch ihr Talent; ich wüsste keine zu machen, sie hält Leib
und Seele zusammen; - überhaupt, worüber man einmal mitgelacht hat, das sollte
man nicht mehr verdammen dürfen.« - Der Geistliche war sehr beschämt, denn er
hatte wirklich von ganzem Herzen gelacht; der Graf lenkte wieder ein: »Freilich,
das Ehrenwerte der Religion, der bessere Scherz, die feinere Unterhaltung muss
darüber nicht zu Grunde gehen, insbesondre muss man bedenken, dass die Zote ihrem
Grund und Boden leibeigen ist, und daher nicht in die Welt eingeführt werden
kann, ohne eine Ungerechtigkeit gegen die edle Unterhaltung zu begehen.« - Der
Geistliche bejahte das und der Graf führte seine Gesellschaft von Damen nach der
Weinlaube, wo ein Tisch mit Zuckerwerk, Erfrischungen, Weinen und Früchten jeder
Art für sie gedeckt stand; dort brachte er sie unbemerkt auf Erzählungen von
ihrem Stifte und dessen innern Verhältnissen; endlich eröffnete er ihnen
geradezu, sie wären seit einigen Tagen im Schloss in ein so allgemeines
Geschichterzählen gekommen, dass er sich durchaus wenigstens ein paar
Lebensgeschichten von ihnen erbitten müsse. Die armen Fräuleins zierten sich
gewaltig; eine wollte der andern die Last aufbürden; es wurde aber nichts
daraus, bis eine anfing, von der andern zu erzählen; da erschienen nun viel
alltägliche Historien, von Stiefeltern, die ihnen den Aufenthalt im Hause
verleidet, von Vätern, die erschossen worden: nur ein paar finden wir des
Aufzeichnens wert. Fräulein Lila warf der Fräulein Mirrha vor, sie könnte
glücklich verheiratet sein, wenn sie nicht die Stunden des Verlöbnisses versäumt
hätte, wie sie noch jetzt alle Tage zum Essen zu spät käme und von der Äbtissin
in Strafe genommen würde, ja selbst zu dieser Fahrt, zu welcher sich alle
gefreut, sie eine halbe Stunde habe warten lassen. - Mirrha leugnete das nicht,
»aber«, fuhr sie fort, »ich kann es nicht lassen und glaubt ihr, dass ich nur mit
Aufopferung dieser Gewohnheit eine glückliche Ehe hätte erreichen können,
wahrhaftig sie wäre mir so unerreichlich geblieben, wie der Himmel auf Erden.
Von meiner ersten Kindheit hatte ich diese Gewohnheit; wenn es nicht gerade Zeit
war zum Aufstehen, so machte ich mir noch ein andres Geschäft: spielte, strickte
im Bette; erst, wenn die Glocke schlug, wo ich in der Lehrstunde sein sollte,
konnte ich zu dem Entschlusse kommen, aufzuspringen; dann eilte ich mit der
größten Hast, verwarf darüber Kamm
