 an ihre Brust und
rief unter lautem Weinen: ich - ich - die arme Viola. - Mit stummer Verwunderung
blickte ich auf sie und den Grafen, der, eine kleine Verlegenheit verbergend,
sich von mir abwandte; indes bald darauf mit beispielloser Ruhe sagte: hätte ich
ahnden können, wie nahe jene Begebenheit Sie angeht, ich würde Sie unfehlbar
vorbereitet haben, denn ich hasse sicher nichts so sehr als Erschütterungen, die
den gebildeten Menschen aus dem schicklichen Gleichgewicht reißen. Jetzt ist
indes die Entdeckung gemacht, und ich zweifle nicht, wir Alle gewinnen bald die
Fassung wieder, die wir dem äussren Anstand schuldig sind. Die Gräfin lag wie
zerschmettert am Boden, und schien auf nichts zu achten. Ich fuhr aufs neue wie
ein Blitz durch den ruhigen Gang seiner Rede, indem ich dringend nach meinem
Bruder fragte. Verzeihen Sie, erwiderte er gütig, wenn ich dieser Frage nicht
früher zuvorkam, ich glaubte Sie besser unterrichtet. Herr von Mansfeld ist
wohl, und in diesem Augenblick auf einem Schiff, das nach Konstantinopel unter
Segel ging. Um jede verletzende Erklärung, fuhr er fort, schnell zu beendigen,
sage ich Ihnen noch, dass Viola zwischen mir und dem Schleier zu wählen hatte,
dass ein kurzer Aufenthalt im Kloster, der Anfang des Probejahrs, sie auf immer
mit einer so düstern, ihrem Gemüt wenig angemessenen, Zukunft entzweite, und
sie es vorzog, eine fremde Blume, in deutschen Wäldern zu glänzen, als zwischen
hohen Mauern zu verschmachten. - Lassen wir jetzt, setzte er lächelnd hinzu, die
kleine Wolke vorüberziehn, glauben Sie mir, der heitre italienische Himmel
durchbricht diese Nebelstreifen leicht! Ich blickte auf die schone Frau, der ich
um so weniger feind sein konnte, da sie durch ihr unstätes Betragen jeden
Einfluss auf das künftige Schicksal meines Bruders verloren hatte. Diese
Sicherheit und die Freude, ihn wohl und kräftig neuen Unternehmungen entgegen
eilen zu sehen, setzte mich schnell über die augenblickliche Störung hinaus. Ich
wandte mich versöhnt zu Viola, die sich willig an mir aufrichtete und in ein
andres Zimmer führen ließ. Es gelang mir bald (indem ich sie französisch
anredete) ihr Vertrauen ohne Rückhalt zu gewinnen. Sie klagte sich selbst mit
vernichtender Reue an, und beweinte in ihrer dunklen Zukunft alle verlorne
Freuden der Liebe. Allein während die glühendste Phantasie sie immer weiter und
weiter fortriss, schuf sie sich selbst die besten Trostgründe, und endete damit,
ein behagliches Licht auf ein Leben zu werfen, in welchem, wie in ihrem
Ideengange, Eines ganz natürlich aus dem Andren zu entspringen schien. Ich
kannte die Fertigkeit wenig, Ursach und Wirkung so geschickt zu folgern, dass
alles gerade und eben dasteht, während der eigentliche Grund der Handlung in
