 Adelhof schämte sich sehr, dass er dieser Zurechtweisung bedurfte, und
machte sich in aller Frühe und Eilfertigkeit auf den Weg nach Deutschland.
    In der Tat war er auch kaum einige Tage lang in dem guten Lande Tyrol, als
er schon von einer wundersamen Frau hörte, welche Gewande zu weben und zu
sticken verstehe, dergleichen man in der ganzen weiten Welt nicht finde. Sie
wohne, sagte man ihm ferner, bei einer alten Hirtenfrau im Gebirge, welche ihr
vor etwa zwei Jahren aus Erbarmen, fast ungern, Obdach gestattet habe, nun aber
sich durch die Arbeiten der Fremden in einen großen Wohlstand versetzt befinde.
Das meiste ihres reichlichen Gewinnstes wende jedoch die fromme Weberin auf
Kapellen und Kirchen, deren sie schon unterschiedliche in dem sonst wilden Tale
mit aller Pracht und Zierlichkeit habe erbauen lassen. Sie selbst führe ein
wahres Klosterleben, und erlaube nur ihrer alten Wirtin den Eintritt in ihre
Zelle. Der Ritter, voller Ungeduld, das Ziel seines Suchens zu erreichen, kam
noch selben Abends vor der Meierei der Hirtenfrau an, von welcher die Klause,
darin die gottesfürchtige Fremde ihr einsames Wesen trieb, etwa fünfhundert
Schritt oder mehr entlegen sein mochte. Die alte Wirtin nahm ihn zwar
anfänglich ganz willig auf, als er aber sein Begehren nur kund zu tun anfing,
unterbrach sie ihn sogleich, versichernd, die Gedanken daran könne er sich auf
alle Weise vergehen lassen. Es seien schon viele reiche und edle Herren in der
nämlichen Absicht hier gewesen; da habe die fromme Dame erklärt: um kein Geld,
noch Gut, noch Ehrenbezeigung, wolle sie die Hand für die Befriedigung solch
toller Eitelkeit anlegen, die sich ja in der Tat an Übermut den Einfällen
vergleiche, womit ehemals Feien und andre böse Heidinnen die Welt geplagt
hätten, wie man davon manche furchtbare Geschichte vernehme. Der Ritter Adelhof
ward zwar über diese Weigerung sehr bestürzt, jedoch wollte er nicht minder als
seine Nebenbuhler versucht haben, und drang daher in die Alte, sein Anbringen
doch wenigstens der Dame vorzutragen. Man müsse alles zu seinem Glücke aufs
fleissigste anstellen, meinte er; niemand wisse, was grade ihm aufgehoben sei,
und schlage es auch alsdann gänzlich fehl, so dürfe man doch nicht auf sich
selber schelten. Die Alte konnte ihm hierin nicht gänzlich Unrecht geben, und
verfügte sich daher nach der Klause, wobei sie indes beständig den Kopf als in
vielem Zweifeln schüttelte. In der höchsten Verwundrung aber kam sie zurück, so
schnell es ihre wenigen Kräfte erlaubten, die Hände zusammenschlagend, und
ausrufend: Ihr tut wahrhaftig wohl, Eurer Fortuna zu vertrauen, denn Ihr seid
ein unstreitiges Glückskind. Zum erstenmale, seit ich die fromme Dame kenne, hat
sie ihren Entschluss geändert. Sobald ich Euren Namen und
