, was besser verschwiegen wird. Doch glaube mir, gutes Kind, Vergehn aus
Liebe begangen, büßen sich nur durch Treue ab. Dies ist weder so leicht, als
eine herzhafte Rückkehr zur Pflicht schwer ist. Zu dem Letztren bewegt uns oft
gerade das, was uns früher verlockte, Sehnsucht nach einem Herzen, das uns
versteht und verstehen will. Wir glauben so leicht, es gefunden zu haben, während
es uns in allen Verhältnissen ziemlich gleich unerreichbar ist. Über die ersten
poetischen Träumen der Jugend hinaus, halten es die Männer kaum der Mühe wert,
in das innere Geheimnis unsers Wesens einzudringen, dessen Selbstständigkeit sie
nie anerkennen, dessen höhere Natur sie sich gern verbergen, um der
gewöhnlichsten und natürlichsten Rücksichten überhoben zu sein. Da es denn nun
überall auf die Aufopferung unsrer selbst angesehen ist, was zaudern wir, dies
Opfer da zu bringen, wo wir in der Bewahrung und dem Heilighalten der Liebe uns
vor uns selbst bewahren? Ich wenigstens bin resignirt, und kann mich in dieser
Resignation nur mit mir und meinem Vergehn aussöhnen.
    Du bringst Dich also der Liebe und nicht dem Geliebten zum Opfer? fragte
Luise.
    Sage mir, erwiderte jene, wie soll ich die eine ohne den andren denken,
ohne auf immer mit meinem Gewissen zu zerfallen? Soll ich um ein Geringeres, als
die höchste Bedingung meines Lebens, Schwur und Pflicht verletzt haben? Und wenn
ich mich täuschte, war es nicht die Liebe, welche den Zauber hervorrief? Aber es
ist falsch, dass die Liebe uns täusche. Sie, das einzig, ewig Wahre, zeigt uns
die Menschen allein wie sie sind. Von ihr durchdrungen, haben sie für Momente
wirklich erreicht, wonach sie, früher und später, durch den ganzen Kreislauf
eines langen, beschwerlichen Lebens ringen. Nur wie die Außenwelt wieder nach
ihnen greift und ihre Täuschungen auf sie zurückwirft, sinkt die Liebe in die
stille Nacht ihres verborgenen Lebens zurück. Allein, ich habe ja doch den
geliebten Mann in jenen göttlichen Momenten gesehen, und so will und werde ich
ihn immer sehen.
    Der Obrist unterbrach sie hier, indem er ihnen die Ankunft der Baronin
meldete, welche auch sogleich eintrat.
    Endlich! sagte diese gutmütig, zu Luisen gewandt, finde ich Sie. Böses
Kind! Nun sollen Sie mir nicht wieder entgehn. Ich entführe Sie sogleich. Alle
Freunde und Bekannte sind bei mir versammelt. Alle haben beschlossen, Sie der
Einsamkeit zu entreißen. Man hat wichtige Dinge vor. Ich habe geloben müssen,
Sie aufzuheben, wo ich Sie finde. Luise warf bittende Blicke auf den Obrist und
Sophien. Dort suchen Sie vergebens Beistand, sagte die Baronin, ihre Gedanken
erratend; diese sind auch meine Gefangenen. Ich
