, wozu ich mich entschließen sollte,
wozu ich entschlossen bin. Ich sehe mein gegenwärtiges, mein zukünftiges Leben
vor mir; nur zwischen Elend und Genuss habe ich zu wählen. Bewirken Sie, bester
Mann, eine Scheidung, die so notwendig, die schon geschehen ist; schaffen Sie
mir Charlottens Einwilligung! Ich will nicht weiter ausführen, warum ich glaube,
dass sie zu erlangen sein wird. Gehen Sie hin, lieber Mann, beruhigen Sie uns
alle, machen Sie uns glücklich!«
    Mittler stockte. Eduard fuhr fort: »Mein Schicksal und Ottiliens ist nicht
zu trennen, und wir werden nicht zugrunde gehen. Sehen Sie dieses Glas! Unsere
Namenszüge sind dareingeschnitten. Ein fröhlich Jubelnder warf es in die Luft;
niemand sollte mehr daraus trinken, auf dem felsigen Boden sollte es
zerschellen; aber es ward aufgefangen. Um hohen Preis habe ich es wieder
eingehandelt, und ich trinke nun täglich daraus, um mich täglich zu überzeugen,
dass alle Verhältnisse unzerstörlich sind, die das Schicksal beschlossen hat.«
    »O wehe mir,« rief Mittler, »was muss ich nicht mit meinen Freunden für
Geduld haben! Nun begegnet mir noch gar der Aberglaube, der mir als das
Schädlichste, was bei den Menschen einkehren kann, verhasst bleibt. Wir spielen
mit Voraussagungen und Träumen und machen dadurch das alltägliche Leben
bedeutend. Aber wenn das Leben nun selbst bedeutend wird, wenn alles um uns sich
bewegt und braust, dann wird das Gewitter durch jene Gespenster nur noch
fürchterlicher.«
    »Lassen Sie in dieser Ungewissheit des Lebens,« rief Eduard, »zwischen diesem
Hoffen und Bangen dem bedürftigen Herzen doch nur eine Art von Leitstern, nach
welchem es hinblicke, wenn es auch nicht danach steuern kann.«
    »Ich ließe mirs wohl gefallen,« versetzte Mittler, »wenn dabei nur einige
Konsequenz zu hoffen wäre, aber ich habe immer gefunden: auf die warnenden
Symptome achtet kein Mensch, auf die schmeichelnden und versprechenden allein
ist die Aufmerksamkeit gerichtet und der Glaube für sie ganz allein lebendig.«
    Da sich nun Mittler sogar in die dunklen Regionen geführt sah, in denen er
sich immer unbehaglicher fühlte, je länger er darin verweilte, so nahm er den
dringenden Wunsch Eduards, der ihn zu Charlotten gehen hieß, etwas williger auf.
Denn was wollte er überhaupt Eduarden in diesem Augenblicke noch entgegensetzen?
Zeit zu gewinnen, zu erforschen, wie es um die Frauen stehe, das war es, was ihm
selbst nach seinen eignen Gesinnungen zu tun übrigblieb.
    Er eilte zu Charlotten, die er wie sonst gefasst und heiter fand. Sie
unterrichtete ihn gern von allem, was vorgefallen war; denn aus Eduards Reden
konnte er nur die Wirkung abnehmen. Er trat
