 fanden daselbst, indem sie sich
mancherlei vertrauten und zugleich die neuesten Formen und Zuschnitte von
Frühkleidern, Hüten und dergleichen zu mustern anfingen, genugsame Unterhaltung,
während die Männer sich um die neuen Reisewagen, mit vorgeführten Pferden,
beschäftigten und gleich zu handeln und zu tauschen anfingen.
    Erst zu Tische kam man wieder zusammen. Die Umkleidung war geschehen, und
auch hier zeigte sich das angekommene Paar zu seinem Vorteile. Alles, was sie an
sich trugen, war neu und gleichsam ungesehen und doch schon durch den Gebrauch
zur Gewohnheit und Bequemlichkeit eingeweiht.
    Das Gespräch war lebhaft und abwechselnd, wie denn in Gegenwart solcher
Personen alles und nichts zu interessieren scheint. Man bediente sich der
französischen Sprache, um die Aufwartenden von dem Mitverständnis
auszuschliessen, und schweifte mit mutwilligem Behagen über hohe und mittlere
Weltverhältnisse hin. Auf einem einzigen Punkt blieb die Unterhaltung länger als
billig haften, indem Charlotte nach einer Jugendfreundin sich erkundigte und mit
einiger Befremdung vernahm, dass sie ehstens geschieden werden sollte.
    »Es ist unerfreulich,« sagte Charlotte, »wenn man seine abwesenden Freunde
irgend einmal geborgen, eine Freundin, die man liebt, versorgt glaubt; eh man
sichs versieht, muss man wieder hören, dass ihr Schicksal im Schwanken ist, und
dass sie erst wieder neue und vielleicht abermals unsichre Pfade des Lebens
betreten soll.«
    »Eigentlich, meine Beste,« versetzte der Graf, »sind wir selbst schuld, wenn
wir auf solche Weise überrascht werden. Wir mögen uns die irdischen Dinge und
besonders auch die ehlichen Verbindungen gern so recht dauerhaft vorstellen, und
was den letzten Punkt betrifft, so verführen uns die Lustspiele, die wir immer
wiederholen sehen, zu solchen Einbildungen, die mit dem Gange der Welt nicht
zusammentreffen. In der Komödie sehen wir eine Heirat als das letzte Ziel eines
durch die Hindernisse mehrerer Akte verschobenen Wunsches, und im Augenblick, da
es erreicht ist, fällt der Vorhang, und die momentane Befriedigung klingt bei
uns nach. In der Welt ist es anders; da wird hinten immer fortgespielt, und wenn
der Vorhang wieder aufgeht, mag man gern nichts weiter davon sehen noch hören.«
    »Es muss doch so schlimm nicht sein,« sagte Charlotte lächelnd, »da man
sieht, dass auch Personen, die von diesem Theater abgetreten sind, wohl gern
darauf wieder eine Rolle spielen mögen.«
    »Dagegen ist nichts einzuwenden,« sagte der Graf. »Eine neue Rolle mag man
gern wieder übernehmen, und wenn man die Welt kennt, so sieht man wohl: auch bei
dem Ehestande ist es nur diese entschiedene, ewige Dauer zwischen soviel
Beweglichem in der Welt, die etwas Ungeschicktes an sich trägt. Einer von meinen
Freunden, dessen gute Laune sich meist
