
seine Erziehung und für sein künftiges Wohl sorgen möget.«
    »Es ist bloß ein Dünkel der Eltern,« versetzte Eduard, »wenn sie sich
einbilden, dass ihr Dasein für die Kinder so nötig sei. Alles, was lebt, findet
Nahrung und Beihilfe; und wenn der Sohn nach dem frühen Tode des Vaters keine
bequeme, so begünstigte Jugend hat, so gewinnt er vielleicht ebendeswegen an
schnellerer Bildung für die Welt, durch zeitiges Anerkennen, dass er sich in
andere schicken muss, was wir denn doch früher oder später alle lernen müssen.
Und hievon ist ja die Rede gar nicht: wir sind reich genug, um mehrere Kinder zu
versorgen, und es ist keineswegs Pflicht noch Wohltat, auf Ein Haupt so viele
Güter zu häufen.«
    Als der Major mit einigen Zügen Charlottens Wert und Eduards lange
bestandenes Verhältnis zu ihr anzudeuten gedachte, fiel ihm Eduard hastig in die
Rede: »Wir haben eine Torheit begangen, die ich nur allzuwohl einsehe. Wer in
einem gewissen Alter frühere Jugendwünsche und Hoffnungen realisieren will,
betriegt sich immer; denn jedes Jahrzehnt des Menschen hat sein eigenes Glück,
seine eigenen Hoffnungen und Aussichten. Wehe dem Menschen, der vorwärts oder
rückwärts zu greifen durch Umstände oder durch Wahn veranlasst wird! Wir haben
eine Torheit begangen; soll sie es denn fürs ganze Leben sein? Sollen wir uns
aus irgendeiner Art von Bedenklichkeit dasjenige versagen, was uns die Sitten
der Zeit nicht absprechen? In wie vielen Dingen nimmt der Mensch seinen Vorsatz,
seine Tat zurück, und hier gerade sollte es nicht geschehen, wo vom Ganzen und
nicht vom Einzelnen, wo nicht von dieser oder jener Bedingung des Lebens, wo vom
ganzen Komplex des Lebens die Rede ist!«
    Der Major verfehlte nicht, auf eine ebenso geschickte als nachdrückliche
Weise Eduarden die verschiedenen Bezüge zu seiner Gemahlin, zu den Familien, zu
der Welt, zu seinen Besitzungen vorzustellen; aber es gelang ihm nicht,
irgendeine Teilnahme zu erregen.
    »Alles dieses, mein Freund,« erwiderte Eduard, »ist mir vor der Seele
vorbeigegangen, mitten im Gewühl der Schlacht, wenn die Erde vom anhaltenden
Donner bebte, wenn die Kugeln sausten und pfiffen, rechts und links die
Gefährten niederfielen, mein Pferd getroffen, mein Hut durchlöchert ward; es hat
mir vorgeschwebt beim stillen nächtlichen Feuer unter dem gestirnten Gewölbe des
Himmels. Dann traten mir alle meine Verbindungen vor die Seele; ich habe sie
durchgedacht, durchgefühlt; ich habe mir zugeeignet, ich habe mich abgefunden,
zu wiederholten Malen, und nun für immer.
    In solchen Augenblicken, wie kann ich dirs verschweigen, warst auch du mir
gegenwärtig, auch du gehörtest in meinen Kreis; und gehören wir denn nicht schon
lange zueinander? Wenn
