 hervorzurufen und herzustellen. Selbst in großen und
reichen Familien, die ihren Vorfahren vieles schuldig sind, pflegt es so zu
gehen, dass man des Großvaters mehr als des Vaters gedenkt.
    Zu solchen Betrachtungen ward unser Gehülfe aufgefordert, als er an einem
der schönen Tage, an welchen der scheidende Winter den Frühling zu lügen pflegt,
durch den großen, alten Schlossgarten gegangen war und die hohen Lindenalleen,
die regelmäßigen Anlagen, die sich von Eduards Vater herschrieben, bewundert
hatte. Sie waren vortrefflich gediehen in dem Sinne desjenigen, der sie
pflanzte, und nun, da sie erst anerkannt und genossen werden sollten, sprach
niemand mehr von ihnen, man besuchte sie kaum und hatte Liebhaberei und Aufwand
gegen eine andere Seite hin ins Freie und Weite gerichtet.
    Er machte bei seiner Rückkehr Charlotten die Bemerkung, die sie nicht
ungünstig aufnahm. »Indem uns das Leben fortzieht,« versetzte sie, »glauben wir
aus uns selbst zu handeln, unsre Tätigkeit, unsre Vergnügungen zu wählen, aber
freilich, wenn wir es genau ansehen, so sind es nur die Plane, die Neigungen der
Zeit, die wir mit auszuführen genötigt sind.«
    »Gewiss,« sagte der Gehülfe; »und wer widersteht dem Strome seiner
Umgebungen? Die Zeit rückt fort und in ihr Gesinnungen, Meinungen, Vorurteile
und Liebhabereien. Fällt die Jugend eines Sohnes gerade in die Zeit der
Umwendung, so kann man versichert sein, dass er mit seinem Vater nichts gemein
haben wird. Wenn dieser in einer Periode lebte, wo man Lust hatte, sich manches
zuzueignen, dieses Eigentum zu sichern, zu beschränken, einzuengen und in der
Absonderung von der Welt seinen Genuss zu befestigen, so wird jener sodann sich
auszudehnen suchen, mitteilen, verbreiten und das Verschlossene eröffnen.«
    »Ganze Zeiträume«, versetzte Charlotte, »gleichen diesem Vater und Sohn, den
Sie schildern. Von jenen Zuständen, da jede kleine Stadt ihre Mauern und Gräben
haben musste, da man jeden Edelhof noch in einen Sumpf baute und die geringsten
Schlösser nur durch eine Zugbrücke zugänglich waren, davon können wir uns kaum
einen Begriff machen. Sogar größere Städte tragen jetzt ihre Wälle ab, die
Gräben selbst fürstlicher Schlösser werden ausgefüllt, die Städte bilden nur
große Flecken, und wenn man so auf Reisen das ansieht, sollte man glauben, der
allgemeine Friede sei befestigt und das goldne Zeitalter vor der Tür. Niemand
glaubt sich in einem Garten behaglich, der nicht einem freien Lande ähnlich
sieht; an Kunst, an Zwang soll nichts erinnern; wir wollen völlig frei und
unbedingt Atem schöpfen. Haben Sie wohl einen Begriff, mein Freund, dass man aus
diesem in einen andern, in den vorigen Zustand zurückkehren könne?«
    »Warum nicht
