 mein geliebter Vater! was wird der Mann von mir denken? ich habe nie
schlechter gesungen.
    Liegt Ihnen so viel an der Meinung dieses Mannes? - Sie verstummte im
höchsten Erstaunen - Wie Maria?
    Können Sie zweifeln!
    Wie meinen Sie das, Maria?
    Ein so großer, außerordentlicher Mann! Kennen Sie ihn so genau?
    Ich, lieber Vater?
    Allerdings! Sie sind es, die von seiner Größe jetzt spricht.
    Aber Sie waren ja mit in der Oper!
    Ist Ihnen da etwas Großes von ihm bekannt geworden?
    Teuerster Vater! Alles, was er sagte und tat, war ja groß, rührend und
schön. Sie selbst gaben Ihren Beifall laut zu erkennen.
    Er spielte mit außerordentlicher Kunst.
    Ja! und wie könnt' er so spielen, wenn er nicht wirklich so empfände? wenn
er nicht fähig wäre, unter ähnlichen Umständen eben so zu handeln?
    Liebe Maria! man kann vieles darstellen, was man nicht nachzuahmen
vermöchte.
    Ja! aber so darstellen. -
    Sie mögen in einem gewissen Sinne Recht haben, und darum will ich Ihren
Glauben nicht wankend machen. Halten Sie den Mann immer für so gut und so groß,
wie Sie es bedürfen.
    Allwina lächelte. Das schmerzte mich; denn Maria wandte sich mit Bitterkeit
von ihr weg und versank in düsteres Nachdenken.
Während die Blicke der Männer auf das schöne Mädchen in tiefer Trauer gerichtet
sind, wendet sie kein Auge von dem Helden des Stückes, der oft, seiner Rolle
vergessend, Rede und Gesang an sie richtet. Sie scheint das gar nicht
außerordentlich zu finden, und hört ihn mit sichtbarem Entzücken.
    Schon besitzt sie die Partituren aller gegebenen Opern und studiert sie mit
leidenschaftlichem Fleiße. Tibaldy's Arien werden jedes Mal, wenn sie gehört
sind, bis tief in die Nacht wiederholt. Allwina will ihr Einhalt tun; aber ich
bitte sie dringend, Maria gewähren zu lassen.
    »Ich begreife Sie nicht.« - sagt die besorgliche Frau. Ich aber versichere
sie, dass sie mich nach einiger Prüfung sehr wohl begreifen werde. Sie kann sich
nicht überzeugen; tut aber doch, warum ich sie bitte.
Liebt sie ihn? Nein! noch glaub' ich es nicht. Er stellt ihr die göttliche Kunst
dar, in der sie lebt und webet; das ist es. Aber er liebt sie; dies ist keinem
Zweifel unterworfen.
    Graf Perçy, ein Schüler von ihm, wünschte bei Maria eingeführt zu werden,
und bat ihn darum. Er verschob es unter mancherlei Vorwand. Aber der junge Mann
wurde dringender. Nun glaubte Tibaldy zu einem nicht edelen, aber notwendigen
Mittel greifen zu müssen, und schilderte mich wie einen der eifersüchtigsten
Tyrannen.
    Perçy beobachtete den Italiener,
