 Tode, und unser
Schicksalsgewebe wird erst dort entwirret. Was zaudre ich, der Auflösung
schneller zu nahen? Im Schlachtgetümmel ist der Tod in tausend Gestalten
vorhanden, und auf dem Bette der Ehre, indem ich die Pflicht gegen mein
Vaterland erfüllte, zerreißt ein mitleidiges Feindesschwert die Netze, die mich
gefangen halten, und gibt meinem Geiste die Freiheit, ohne Widerstand glücklich
zu sein! Dann hört der Zwiespalt in meinem Innern auf, das Gefühl des
unheilbaren Schmerzens entströmt mit dem Leben der durchstossenen Brust, das
stille Herz schlägt nicht mehr widerspenstig gegen seine Schranken, aller Streit
ist geendet, aller Kampf Friede geworden! Und ich soll zaudern?
    Wir haben Edessa verlassen. Ein paar Vorteile, die wir über den Feind
errangen, öffneten uns den Weg bis hierher. Wir stehen vor Nisibis, das die
Perser noch besetzt halten. Demetrius belagert es, und denkt es bald
einzunehmen, besonders da er auf eine Verstärkung rechnet, die ihm Galerius
sicher versprochen hat. Auch hierher musste ihm Larissa folgen, muss alle Gefahren
und Beschwerlichkeiten mit ihm teilen, und nicht immer, o nur selten ersetzt
ihr Schonung und Liebe die Ungemächlichkeiten, die wahrlich nur Liebe um der
Liebe willen freudig auf sich nehmen, die die kalte Pflicht stets doppelt
lastend fühlen muss. Das muss ich mit ansehen, fühlen, was sie leidet, mir bewusst
sein, welches Loos sie an meiner Seite erwartet hatte, und schweigen - und oft
noch aus ihrem Munde die Versicherung hören, dass sie nicht unglücklich sei!
Phocion! Ich erkenne die Schönheit ihrer Gesinnungen, die zarte Schonung, die in
dieser Verleugnung liegt, ich weiß, was sie damit erreichen will; aber es dient
nicht, meine Leidenschaft zu mäßigen.
    Ich habe es schon in Edessa versucht, von meinem Platze loszukommen, und
eine Bestimmung zu erhalten, die mich aus dem gefährlichen Kreise entfernte, in
den ich mich, wie durch Zauber, gebannt sehe. Demetrius ließ mich nicht von
sich, ja er zog mich, unterrichtet von meiner Bekanntschaft mit seiner Frau,
freundlich in den kleinen Zirkel, der ihn stets umgibt. Da sehe ich sie nun
täglich, bin Zeuge ihrer Tugenden, ihres himmlisch schönen Kampfes, oft ihres
Sieges, aber auch - o Phocion! hier liegt die Quelle meines unheilbaren
Unglücks! aber auch zuweilen ihrer Schwäche. Sie liebt mich, ich weiß es, ich
fühle es. Manchmal bricht die mühsam verhaltene Flamme hell und leuchtend aus
ihrer reinen Brust. Als sie mir neulich meine wunde Hand verband, als sie, mit
dem Ausdrucke der zartesten Sorge um mich beschäftigt, mit ihren zitternden
Händen die meinige hielt, ihre Tränen auf meine Wunden flossen, und sie in
diesem Augenblick, aller Verhältnisse vergessend, nur
