 und Licht und Wärme durch die kalte Dunkelheit sich ergießt. In mir ward
es Licht. Ich wusste, was ich wollte, was mir so lange gefehlt hatte, wozu ich
eigentlich auf der Welt war. Diese Leidenschaft hat das Rätsel meines bis dahin
zwecklosen Daseins gelöst - und was hindert mich, mit frommem Glauben der
Meinung des göttlichen Plato beizupflichten, und überzeugt zu sein, dass ich
jetzt die zweite Hälfte meines Ichs gefunden habe? Was tut's zur Sache, dass
Tiridates an den Ufern des Arares und ich in Rom geboren wurde? Die Seelen, die
sich vor ihrer Herabkunft auf die Erde kannten und liebten, haben sich wieder
gefunden, und nichts als der Tod kann sie scheiden.
    In diesem festen - Glauben? - nein, in dieser unumstösslichen Überzeugung
wird und kann mich nichts irre machen, und nichts bewegen, auch nur um einen
Grad kälter, oder besonnener, wie du es nennst, zu handeln. Tiridates oder den
Tod! Es gibt kein Glück, kein Leben, keine Tugend ohne ihn. Mag die Welt sagen,
was sie will - mag Serranus durch Argwohn oder Verrat mein Geheimnis entdecken,
mag er und mein Vater dann über mich verhängen, was sie wollen - es gilt mir
gleich. Achtet der Taucher, der sich in's Meer stürzt, um eine köstliche Perle
zu holen, achtet er der Wogen, die über ihn zusammenschlagen? Muss er sie nicht
über sich ergehen lassen, wenn er seinen Zweck erreichen will?
    Und dann endlich - was kann Serranus von mir fordern, das ich nicht bereit
wäre, ihm immer fort so zu leisten, wie bisher? Sein Hauswesen will ich fortan
mit pünktlicher Treue besorgen, seine Sklaven und Sclavinnen zur Arbeit
anhalten, auf die Wirtschaft, auf seinen Nutzen sehen, wo und wie ich's vermag.
Mehr fordert er nicht - mehr bedarf er nicht. Liebe hat er nie verlangt - ich
nie gegeben - ihm nie geben können. Sein Herz hat keine Bedürfnisse. Worin wäre
er also verkürzt? Ich verletze keine Pflicht gegen ihn, und bin sicher, nie eine
zu verletzen; denn dafür, dass mein Umgang mit Tiridates in den Schranken der
Tugend bleiben soll - bürgt mir meine Denkart. Übrigens glaube nicht, dass ich
so tief herabsinken würde, ihn zu betrügen. Die Reise nach Bajä war weder mein
Vorwand, noch mein Plan. Sie war sein Wunsch - er ersuchte mich darum, weil die
Anwesenheit eines von uns jetzt schlechterdings auf der Villa notwendig war,
und er sich nicht entschließen konnte, Rom während der Saturnalien zu verlassen.
Er schickt mich - ich gehe gern - denn Tiridates hält sich seiner Geschäfte
wegen in Puteoli auf. Ich mache mir
