 leicht war, ihn zu
erhalten, oder erkaltet in der Dauer und Sicherheit des Genusses. Nein, vielmehr
stärken Gewohnheit und Zeit unsre Neigungen. Was wir lange haben, wird uns darum
werter, und in der Rechtmässigkeit und Würde seiner Gefühle findet das Weib
seinen Stolz und sein stärkstes Band.
    Der Brief von Tiridates an dich war in einem eingeschlossen, den mir
Agatokles bei seiner Rückkunft nach Nikomedien geschrieben hat - ein sehr
verbindliches Danksagungsschreiben für alle Gefälligkeiten, die er in unserm
Hause empfangen, eine kurze Beschreibung seiner Reise, Nachrichten von
Tiridates, Grüße an dich, an seine übrigen römischen Bekannten u.s.w., ein
Brief, den ich im Forum hätte können anschlagen lassen!
    Und das schreibt Agatokles mir? Es ist also vollkommene Ruhe in seinem
Herzen, und von Allem, was ihn hier so tief zu bewegen schien, jede Spur auf der
glatten Oberfläche seiner Seele verschwunden? Ich muss dir gestehen, dass es mich
überrascht hat, auch mitunter ein Bischen verdrossen. Aber das ist schon
vorüber. Solche Stürme verwehen schnell bei mir, und es bleibt nichts davon
zurück, als die weise Lehre, künftig vorsichtiger zu sein, und vor allen Dingen
kein Wesen auf der Welt in einem andern als dem klaren Tageslichte der
Wirklichkeit anzusehen. Traue nur Niemand den Gestalten, die die Phantasie uns
statt der Dinge an sich unterschiebt. Sie haben meistens nichts von ihren
Originalien, als die äußere Form, und wir würden oft sehr erstaunen, wenn wir
auf einmal statt des idealisirten Phönix den gemeinen Haushahn sehen könnten,
der wirklich vor uns steht: wir würden klüger und demütiger werden. Denn, lass
es uns aufrichtig gestehen, unsere Eitelkeit hat an dergleichen Apoteosen wohl
eben so viel Teil, als unser Herz und unsere Phantasie. Wir möchten gar zu gern
von einem Heros geliebt sein, mit Göttergestalten umgehen, und so nach und nach
selbst zur Göttin werden. Aber es kommt die liebe Zeit in ihrem Alltagsschritte,
und die gemeine Wirklichkeit. Sie nähern sich dem schönen Phantom, das vor uns
steht. Vor ihrer kräftigen Berührung verschwindet der Nimbus, der es umgab, die
Göttergestalt selbt sinkt zur gewöhnlichen Erdengrösse herab, und die arme
Sterbliche, die sich schon eine Heroin glaubte, ist wieder auf die platte
Menschheit reducirt. Das tut nun freilich weh im ersten Augenblick - im zweiten
verschmerzt man's um den Gewinn an Menschenkenntnis und Erfahrung, und küsst, wie
ein wohlgezogenes Kind, die Rute, die uns für den verwegenem Versuch auf die
Finger klopft.
    Sieh, Liebe, aus diesem gemeinen, aber sehr wahren Lichte sehe ich die
Geschichte zwischen Agatokles und mir an. Auch er ist ein gewöhnlicher Mann,
jedem ersten Eindruck offen, schwach gegen
