 keine Unruhe kommt
in meine Seele. Da war nicht zu wählen, nicht anzustehen. Jede Stimme, selbst
die der Liebe musste verstummen. Es blieb kein Ausweg. Er oder ich! Fiel
Konstantin, so war alle Aussicht für die Verbesserung, die Rettung der
Menschheit verloren, jede Hoffnung im Keim zerstört. Der wütende Galerius
behielt den Erdkreis in seinen blutigen Händen, das Christentum würde, wo nicht
vertilgt, doch jede seiner Segnungen vielleicht auf Jahrhunderte hinaus
vernichtet sein. Und was verlor die Welt an mir? Zwar weiß ich, dass Teophaniens
Herz brechen wird - aber es wird mit meinem brechen, wir werden uns wiedersehen!
Zwei gebrochene Herzen, zwei Sterbende - für einen geretteten Erdkreis!
    Ich verließ mein Weib, ohne ihr zu sagen, was ich vorhatte. Ganz wusste ich's
in diesem Augenblicke selbst nicht, aber ich ahnte, dass mir ein großer Schritt
bevorstand, und Alles auf einen schnellen Entschluss ankam. Ich traf alle
Anstalten, um eine zweite Flucht Konstantins zu sichern, dann öffnete mir mein
Gold den Weg zu ihm. Ich fand ihn - vernichtet kann ich wohl sagen, und doch in
manchen Augenblicken ganz mutvoll, Alles zu wagen, wenn nur die Riegel seines
Gefängnisses gesprengt würden. Ich entdeckte ihm den Plan, den ich entworfen
hatte. Er schauderte, es brauchte lange, bis die Ansicht, die Größe, die
Gemeinnützigkeit jener Entwürfe, die seit zwei Jahren das leuchtende Ziel aller
unserer Bestrebungen und Anstrengungen waren, aber seine Liebe zu mir und die
Freundschaft siegte. Er ergriff meinen Mantel, hüllte sich ein, schloss mich mit
dumpfen Seufzern an seine Brust, und entfloh. Die Türe schmetterte krachend
hinter ihm zu, und ich fühlte mich lebend begraben. Alles, Alles war für mich
verloren. Teophaniens Bild trat in allen Reizen vor mich hin, ich - weinte, ich
schäme mich nicht, es zu bekennen, mein Zustand grenzte an Verzweiflung.
    Da fiel ein Strahl himmlischen Lichts in die umnachtete Brust. Himmlisch!
Keine Vernunft, keine menschliche Überzeugung bewirkt diesen Frieden, diese
Klarheit. Seitdem ist es stille in mir geworden. Ich weiß, was meiner wartet,
ich weiß aber auch, welche helle Zukunft hinter diesen dunkeln Stunden liegt.
Ich sterbe nicht um meines Glaubens willen, wie so Viele, die mit blindem Eifer
sich zur Marterkrone drängen, und in ihr vollen Ersatz für ein sonst
unverdienstliches Leben und jede versäumte Pflicht finden. Ich sterbe für meinen
Glauben, weil er das höchste Glück der Menschheit ist, weil nur durch seine
Verbreitung das Glück allgemein werden kann, und weil - wenigstens so weit meine
und vieler Erfahrnen Einsicht reicht, - nur in Konstantin sich alle
Eigenschaften vereinigen, um diesen Zweck siegreich auszuführen
