 Interesse, und vergebens stemmt die
alte morsche Form sich das letzte Mal gegen die siegende Gewalt des bessern
Neuen. Ja, er wird ausgeführt werden der schöne große Plan, den wir in stillen
Stunden der Begeisterung entworfen; stolz blickt mein Geist auf den Anteil hin,
den meine Anstrengung, meine Tätigkeit daran hatte, und nichts - gar nichts auf
der Welt würde mir zu kostbar sein, um es nicht mit Freuden für die Sicherung
desselben hinzugeben.
    Seit ich den edlen Florianus sterben sah, schwebt das Bild - nicht der
Marterkrone im gewöhnlichen Sinn, wie es oft übelverstandner Eifer und falscher
Religionsbegriff sich ausmalt - nein, eines freiwilligen Todes zum Besten der
Menschheit, zur Sicherstellung und Ausführung eines großen, beglückenden Werkes
mit schimmerndem Glanz vor meiner Seele.
    Wie ich meine Teophania liebe, was sie mir ist, weißt du, und was ein Sohn,
vom ihr geboren, meinem Herzen sein kann, welche Begriffe ich von meinen
Vaterpflichten habe, kannst du dir denken, ohne dass ich nutzlose Worte
verschwende. Mein ganzes Erdenglück ruht auf ihnen; so lange ich sie besitze,
bin ich sicher, in jeder Lage glücklich zu sein, ohne sie ist keine Macht der
Welt, keine Hoheit, keine Gewalt vermögend, mein Herz auch nur einen Augenblick
zu rühren. Dennoch - ich habe mich geprüft, strenge, oft - in der Einsamkeit,
und wenn ich sie in meinen Armen hielt - es gibt ein höheres, ein größeres Gut,
um dessentwillen ich auch ihnen entsagen könnte! Vielleicht traue ich mir zu
viel zu, und fern sei der Frevel von mir, das Schicksal auf diesen blutigen
Kampf herauszufordern; aber ich glaube, ich würde Kraft haben, sie zu opfern,
wenn ich mit Überzeugung die Notwendigkeit davon einsähe. Ich glaube - aber
ich bete, Konstantin! dass mich die Vorsicht nicht auf diese schreckliche Probe
setze - mein Herz würde durch ihren Verlust eher brechen, als durch den
Todesstreich.
    Ich darf keinen dieser Gedanken laut werden lassen, Teophaniens zarte Seele
hat in jener Zeit, wo Florianus Tod uns Alle weich und finster stimmte, nur zu
viel in der meinigen gelesen. Sie versteht mich so ganz, dass es keines Wortes,
keiner noch so leisen Äußerung bedarf, um Alles zu wissen, was in mir vorgeht.
Ja, aus Einem Stoffe, aus denselben Fäden sind unsre Herzen gewoben, und keiner
kann in dem Einen erschüttert werden, ohne dass sie alle in dem Andern mit beben.
Das macht jetzt unser höchstes Glück, und macht vielleicht einst das Unglück
desjenigen, dem die Vorsicht ein längeres Leben bestimmt.
    Du, mein Konstantin, bist glücklich oder weise genug, nichts von diesen
Gefühlen zu wissen. Zu einem andern Zwecke bestimmt,
